William Elliott Whitmore - Animals In The Dark - Cover
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William Elliott Whitmore Animals In The Dark


  • Label: Anti Records
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ruhig angehen, erst mal sehen, das Leben ist schließlich schön. Es ist immer wieder beeindruckend, wie Folkmusik einen in eine andere Zeit versetzen kann. Manchmal denkt man, dass man dem hektischen Alltag überhaupt nicht mehr entkommen kann und dann wird man auch postwendend Lügen gestraft. Ein Banjo und eine rauchige Stimme können schon reichen, um ganz woanders zu landen und sich zurücklehnen zu können. Seit knapp drei Jahren wieder eine Scheibe Country des Mannes mit der gebrochenen Stimme. Es ist wohl überflüssig zu bemerken, dass dieses Album keine großartigen Verkaufszahlen zu erwarten hat, denn viel zu wenig Leute fühlen sich heut noch zu dieser erdigen Musik hingezogen, wobei es manchmal eines der besten Heilungsmittel gegen Stress ist.

„Mutiny“ hinterlässt zwar noch einen seltsamen Nachgeschmack, da die politische Botschaft mit „Let the motherfucker burn“ beendet wird und diese Rezitation hat der Song eigentlich nicht nötig und wäre durch den eigenen Text wertvoller gewesen. Es sei denn wir wollen so weit gehen, gewisse Anspielungen aus Michael Moores Dokumentarfilm „Fahrenheit 9/11“ erkennen zu wollen. Das wäre dann aber auch ein herber Schlag ins Gesicht der US-Army, aber es würde etwas dahinter stecken. Auch „Who Stole The Soul“ macht einen noch nicht vollends glücklich. Zu sehr wird sich hier auf die Ballade konzentriert, wo man doch sehnsüchtig Country erwartet. Dieser bleibt aber vorerst im Hintergrund und nur Whitmores Stimme gibt Aufschluss über das Terrain auf dem wir uns befinden. Dann geht es aber los: „Johnny Law“ lässt einen im Westen unserer Kopfprärie verschwinden. Lebhaft und trotzdem eine gewisse Ruhe ausstrahlend und typisch Country mit dem einfachen Viervierteltakt. Das ganze Abenteuer noch eine Spur dunkler gibt dann „Old Devils“ wieder und langsam entwickelt sich hier das, was man sich gewünscht hat.

Dann kommt wieder der Bruch durch eine Ballade, die aber nur recht kurz ist und wie eine Interlude behandelt werden sollte. Das eine Ballade auch countrymäßig klingen kann, beweist Whitmore dann gleich wieder mit „There’s Hope For You“ und man fragt sich, was diese viel zu simpel gestrickten Balladen ohne jegliche Individualität auf dieser LP machen. „Hard Times“ gibt sich dann wieder minimalistisch und überzeugt mehr im Text als in der Komposition, gehört aber immer noch zur guten Mittelklasse. Richtige Aussetzer erlaubt William sich nicht. Mit „Lifetime Underground“ kommt dann die faszinierende Wirkung von Banjo und Akkordeon zum Vorschein. Beide Instrumente setzen einen zurück, weit zurück und für einen Moment möchte man das Hier und Jetzt vergessen und hinter sich lassen. Sehr schön!

Zum Abschluss wird das Tempo noch einmal gedrosselt und so trampelt „Let The Rain Come In“ gemächlich, aber punkgenau auf das Ende zu, um in „A Good Day To Die“ eine Abschluss-Ballade (wer hätte es erraten?) zu finden, die aus zwei Gründen besser funktioniert, als die beiden Vorgänger es taten. Es ist der Rausschmeißer und die kratzige Stimme ist im absoluten Fokus und begleitet einen hinaus aus dem Album, aber nicht aus der Stimmung und wenn man sich einfach mal gehen lässt, kann man noch eine Weile in dieser Welt bleiben. Für alle, die diese Ruhe nicht haben: Kein Problem! Das Album einfach noch mal abspielen.

Anspieltipps:

  • Johnny Law
  • Lifetime Underground
  • There’s Hope For You

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