Vienna Teng - Inland Territory - Cover
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Vienna Teng Inland Territory


  • Label: Decca/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Ich achte bis heute zuerst auf die Melodie“, sagt Vienna Teng und verspricht damit nicht zuviel. Die Melodien sind auch bei ihrem vierten Studiowerk die große Stärke. Diese verpackt sie mal in Popsongs, seichte Rockepen, Jazzinterpretationen. Dabei klingt sie abwechselnd wie Madonna, Tori Amos oder auch Janis Joplin Light. Thematisch wagt sich Teng an große Konflikte wie Einwandererproblematik, den Nahost-Konflikt, aber auch an die alltäglichen Beziehungsprobleme mit ihrer eigenen Familie. Das klingt als Einstimmung sehr unterhaltsam und die vermutete Vielfalt vielleicht ein wenig gewagt, doch Vienna Teng ist keine Newcomerin mehr, sondern eine gestandene Künstlerin, die ihr Ziel nie aus den Augen verliert. Es gibt viele große Momente auf dem Album – fangen wir mit einem an, der vielleicht nicht dazu gehört. „White Light“ erinnert zu sehr an Madonnas gute Zeiten vor ziemlich genau zehn Jahren. Dem Popsong, dem einige kräftige Gitarren sogar zum Rocksong verholfen hätten, fehlt es an der besonderen Unverwechselbarkeit, mit der nahezu alle anderen Songs des Albums gekennzeichnet sind.

Ursprünglich wollte Teng drei EPs auf den Markt bringen – aufgeteilt in eine Pop-, Rock- und eine Folk-EP. Auf die Folk-EP hätten es mit Sicherheit „In Another Life“ und „Grandmother Song“ gebracht. Statt einfach nur mit der Gitarre einen herkömmlichen Folksong über ein schweres Thema wie chinesische Grubenunglücke zu präsentieren, überrascht Teng zunächst mit Bläsern, um anschließend beim „Grandmother Song“ ganz stark an den „Mercedes Benz“ von Janis Joplin zu erinnern. Nicht ganz so dreckig wie Joplin, kommt ihre klare und kräftige Stimme trotzdem zur Entfaltung.

Die Vielfalt endet, wenn sich Teng von dem Instrument begleiten lässt, das am besten zu ihr passt – das Klavier. Wie eine zahme Tori Amos präsentiert sie „Stray Italian Greyhound“, der minimalistisch beginnt, sich zwischendurch mit orchestraler Begleitung aufbläst, bevor Teng fast flüsternd das Finale einläutet – gefühlte zehn Minuten enden leider schon nach guten vier. Ähnliches gilt für den zweiten Höhepunkt: „Antebellum“ gehört zu den Songs, die man immer wieder hören möchte – für eine gewisse Ewigkeit bestimmt. Schwächer wird die Amerikanerin, die aufgewachsen in San Francisco nun in New York ihre Inspiration sucht, wenn sie nicht der Melodie alles andere unterordnet. So wirkt „Augustine“ ein wenig ziellos, „Watershed“ ein wenig zu behäbig, und ein insgesamt gutes Werk hätte einen würdigeren Abschluss als das melodisch belanglose „St. Stephen’s Cross“.

Anspieltipps:

  • Antebellum
  • Kansas
  • Stray Italian Greyhound

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