Therapy? - Crooked Timber - Cover
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Therapy? Crooked Timber


  • Label: Dr2 Records
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Punk, Rock, Pop, Metal, Industrial-Samples, Energie, Frustration und Zorn“.

Da flattern beinahe wöchentlich in Superlativen um die Gunst des Rezensenten buhlende Newcomer ins Postfach und die langgedienten Therapy? kündigen ihr neues Werk nach „One cure fits all“ (04/2006) gerade einmal ein paar Monate vor Veröffentlichung an und landen auch dementsprechend ruhig und zurückhaltend auf dem Tisch, sodass erst der musikalische Eindruck über Sein oder Nichtsein entscheiden muss. Eine kluge Entscheidung, denn die mittlerweile auf die drei Eckpfeiler Andy Cairns (Gesang, Gitarre), Michael McKeegan (Bass) und Neil Cooper (Schlagzeug) geschrumpften Iren konnten nach ihrem den Zeitgeist treffenden zweiten Longplayer „Troublegum“ (02/1994) nicht mehr an diesen kommerziellen Höhenflug anschließen und führten nach und nach ein Nischendasein.

Die damalige Mischung aus „Punk, Rock, Pop, Metal, Industrial-Samples, Energie, Frustration und Zorn“, wie sie Cairns treffend umschrieb, ist auf „Crooked timber“ zwar weitgehend vorhanden, Pop, Punk oder Industrial sind jedoch nur mehr fragmentarisch erhalten, was vor allem der Verweigerung von Melodien und einem kompromisslosem, völlig masseninkompatiblen Rock-Sound auf den letzten Alben geschuldet ist. Diese veränderte Herangehensweise brachte zwar nach der langjährigen Kollaboration mit A&M Records keinen erneuten Major-Plattenvertrag, dafür genießen Therapy? künstlerische Freiheit, die sich sogleich im unruhig wütenden Opener „The head that tried to strangle itself“ bemerkbar macht, wenn nach 1 ½ Minuten 20 Sekunden lang eine monotone Effektschleife erklingt oder die tief gestimmten Gitarren mit den knurrenden Basstönen eine dröhnende Liaison eingehen.

Verstärkt auf groovigen Rhythmus setzt das anschließende „Enjoy the struggle“, das mit seinen Stoner Rock- und Grunge-Gebärden (im positiven Sinne) wie ein verschollenes Tondokument aus den 90er Jahren klingt, während „Clowns galore“ mit hektischen Drums und aufgeregter E-Gitarre orkanartig aus den Lautsprechern zischt. Eine Spur gesetzter, aber dennoch mit bitterbösen Riffs um sich schlagend, präsentiert sich „Exiles“, das Andy zusätzlich mit sanftmütigen Vocals garniert, die er im nachfolgenden Titeltrack neben pizzicato-ähnlicher Saitenbedienung erneut einsetzt, wodurch das „krumme Holz“ (übrigens in Anlehnung an den deutschen Philosophen Immanuel Kant) als zugänglichste Nummer den Dreh- und Angelpunkt des Albums bildet, da „I told you I was ill“, „Somnambulist“ und „Blacken the page“ dem bereits Gehörten abgesehen von wieder härter agierendem Klangbild keine neuen Facetten mehr hinzufügen kann und das Gefühl vorherrscht lediglich eine zweite Fassung von einem der Tracks zu Beginn vorgesetzt zu bekommen.

Die zehnminütige Besteigung des „Magic Mountain“ als Post Rock-Verschnaufpause mag anschließend ja ganz nett gemeint sein, zieht aber im Vergleich zum Output von Bands wie Isis, Mogwai, Pelican oder The Red Sparrowes deutlich den Kürzeren, was vor allem an der vorhersehbaren Struktur und fehlenden zündenden Ideen liegt, die eben jene Bands auszeichnen. Wenigstens die angedeutete Doom-Atmosphäre im Abschluss „Bad excuse for daylight“ kann für einen kurzen qualitativen Aufschwung sorgen, bevor man sich wieder Track 1 – 5 zuwendet, die bezüglich Spiellust und Detailverliebtheit einen ungleich besseren Eindruck machen.

Anspieltipps:

  • Exiles
  • Clowns Galore
  • Crooked Timber
  • Enjoy The Struggle

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