Thursday - Common Existence - Cover
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Thursday Common Existence


  • Label: Epitaph/SPV
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Mann ist das lange her! Seit At The Drive-In sich aufgelöst haben, hat es niemand mehr so richtig geschafft, den Post Hardcore an den Hörer zu bringen. Zumindest hier in Deutschland, zumindest nicht im großen Format. Besonders The Offspring, die unter Selbstverweichlichung leiden, können nicht so stürmisch rocken wie die El-Paso-Combo. Doch „Thursday“ aus New Jersey beweisen, dass der Sturm und Drang des Hardcore noch nicht vorbei ist, sondern immer noch lebt und immer noch zieht. Geoff Rickly (Gesang) schreit inbrünstig ins Mikro, während Tom Keeley und Steve Pedulla (Gitarre) zusammen mit Tim Payne (Bass) das Rockgerüst schaffen, das brutal von Tucker Rule (Schlagzeug) und abrundend von Andrew Everding (Keyboard) untermalt wird.

Keine zehn Sekunden sind vergangen und man ist fest im wütenden Setting der Band angekommen. Der Opener besteht aus guten drei Minuten voller Lautstärke und Kraft, die an Melodie allerdings nie verliert. Die Schienen sind hier schon Parallelen zu At The Drive-In und „Last Call“ bestätigt diesen Eindruck nur. Vielen wird das einfach nur Krach in den Ohren sein, doch dieser Rock, eine Symbiose aus Emo und Hardcore beschreibt das Gefühl einer Generation, die sich inzwischen in den nebligen Raucherlounges unter drehenden Discokugeln zu verlieren droht. Vielleicht fühlen sie nicht mehr, was Geoff ihnen zuruft, vielleicht schreit er deswegen so, kreischen die Gitarren auf und prügelt das Schlagzeug mit aller Macht. Hört ihr uns noch?

Jedes Lied auf diesem Album erinnert daran, dass viele Bands ihre Wurzeln verraten haben, ohne dass sie auch nur ansatzweise je den Stil von Thursday innehatten. Die ganzen Punkrockbands, die sich gemütlich zurückgelehnt haben und mit ihrer Musik weder textlich noch instrumental eine Bewegung ausdrücken. Während die einen wahrscheinlich angewidert zurückweichen bei dieser „rauen“ Musik, sind die anderen vielleicht bewegt, erkennen das zerbrechliche Gerüst hinter den harten Tönen. Das beste Beispiel für diese Erkenntnis ist wohl „Beyond The Visible Spectrum“, welches seine weiche Seite nicht versteckt, um dann doch immer wieder auszubrechen und zu explodieren. Die Erweiterung dazu ist die reine Ballade „Time’s Arrow“. Damit der Hörer nicht auf falsche Gedanken kommt, kracht dann schnell „Unintended Long Term Effects“ durch die Boxen.

Dann kommt man auch schon in die letzte Runde „Circuits Of Fever“ ist wieder ganz großes Kino, das sich Stimmenverzerrung und den Keyboardeffekten hingibt. Hier wird richtig gefeiert. Nicht zu grob für die Jammerlappen, nicht zu schwach für die Fans des Beginns und vor allem ist da dieser raue Grundgedanke der Musik des Post Hardcore. „Love Has Led Us Astray“ ist vielleicht der einzige Ausrutscher des Albums und wirkt nicht wie der Rest. Entschädigt wird man von der über fünf Minuten langen Schlussnummer „You Were The Cancer“ und man ist immer noch ganz zerrüttet. Zwar fehlen diese fremden Einflüsse, wie sie die großen At The Drive-In beherbergten. Der Geist des Post-Hardcore wird aber auf beste Weise überliefert und so ist mit „Common Existence“ ein gutes Stück und in gewisser Weise auch ein wichtiges Stück Musik entstanden.

Anspieltipps:

  • Last Call
  • Beyond The Visible Spectrum
  • Circuits Of Fever

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