Diana Krall - Quiet Nights - Cover
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Diana Krall Quiet Nights


  • Label: Verve/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 60 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Neues Material der Alt-Interpretin im Zeichen Brasiliens und des Bossa Nova.

Wahrscheinlich waren die letzten zwei Jahre, in denen sich Diana Krall kurzfristig vom Musikgeschäft abgemeldet hat, turbulenter als die 15 davor. Nach den ersten eigenen Gehversuchen als Songschreiberin auf „The girl in the other room“ (04/2004) und einer weiteren Sammlung zartschmelzend interpretierter Standards mit „From this moment on“ (09/2006) war nämlich erst einmal Babypause angesagt, brachte die mittlerweile 44jährige schließlich im Dezember 2006 ihre Zwillinge Dexter Henry Lorcan und Frank Harlan James zur Welt. Kralls Plattenfirma Verve nutzte diese Gelegenheit um die Werkschau „The very Best Of Diana Krall“ (09/2007) zu veröffentlichen um auch in ihrer Abwesenheit darauf aufmerksam zu machen, welch Ausnahmesängerin die gebürtige Kanadierin ist.

Mit „Quiet nights“ gibt es nun endlich wieder „neues“ Material der gefühlvollen Alt-Interpretin, das dieses Mal ganz im Zeichen Brasiliens und des Bossa Nova steht, obwohl der klassische Slow Motion-Jazz natürlich wieder seinen Platz findet und stets präsent im perfekt eingefangenen Orchester ist. „Zu dieser Platte wurde ich durch meinen letztjährigen Trip nach Brasilien inspiriert. Ich stellte fest, dass man dort überall noch immer die Klänge von (Antonio Carlos) Jobim und der Bossa Nova hören kann.“ erklärt die frisch gebackene Mutter und verdreht einem sofort im Auftakt „Where or when“ mit ihrem feinfühligen Timbre und einzigartiger Stimmführung den Kopf. In unvergleichlicher Art und Weise lässt Mrs. Krall die Lautsprecher beben und elektrisiert den Hörer zusehends, sodass die Schmeicheleien, die sie einem über das Album verstreut ins Ohr haucht (ein Blick auf die Trackliste gibt schnell Aufschluss), erst dann leicht an Gewicht verlieren, wenn man erfährt, dass „Quiet nights“ ihrem Mann Elvis Costello gewidmet ist und „die Musik wie die zärtlichen Worte“ sein sollen, die man „seinem Lover ins Ohr flüstert, wenn man sich mit ihm auf dem Bett rumlümmelt.“

Soll das heißen Singles können sich an den wunderbar dargebotenen Neuinterpretationen von Klassikern wie „Walk on by“ (Burt Bacharach), „I´ve grown accustomed to his face“ (am ehesten bekannt aus dem Musical „My fair lady“), „Guess I´ll hang my tears out to dry“ (ein 1945 geschriebener Song, der schon von Frank Sinatra intoniert wurde), „How can you mend a broken heart“ (im Original von den Bee Gees) oder den drei von Antonio Carlos Jobim verfassten Stücken „Quiet nights“, „Este seu olhar“ und dem geschlechtsspezifisch angepassten „The boy from Ipanema“ (heißt eigentlich „The girl from Ipanema“) nicht erfreuen? Mitnichten. Sicherlich entfacht die letzte Songzusammenstellung aus dem Hause Krall ihre größte Wirkung in trauter Zweisamkeit, aber sowohl die akzentuierte Klavierbegleitung, die sich vor allem in der verspielten Nummer „So nice“ bemerkbar macht, als auch die seufzenden Streicherteppiche, in Romantik schwelgenden Bläsersätze und natürlich die vorzügliche Darbietung Kralls machen es schwer, die CD aus dem Player zu nehmen, selbst wenn die eine oder andere Länge auszumachen ist.

Und trotzdem: Auf den großen Knall warten man eine Stunde lang vergebens. „Quiet nights“ ist zwar grundsolide, bestechend produziert und mit viel Seele gesungen und eingespielt, aber dennoch hebt sich die neueste Compilation bekannter Standards nur minimal durch das locker sitzende Bossa-Nova-Kleid hervor, was letztendlich ein wenig zu konventionell ausgefallen ist.

Anspieltipps:

  • So Nice
  • Every Time We Say Goodbye
  • I´ve Grown Accustomed To His Face
  • Guess I´ll Hang My Tears Out To Dry

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