Psyopus - Odd Senses - Cover
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Psyopus Odd Senses


  • Label: Metal Blade/SPV
  • Laufzeit: 62 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt immer wieder Bands, die wollen es einfach wissen. Ein paar Musiker, die auf jegliche Hörgewohnheiten (Entschuldigung) scheißen und sich in eine Richtung weiterentwickeln, die wahrscheinlich nur ein geringer Prozentsatz der Menschheit verstehen oder nachvollziehen kann. Psyopus aus Rochester gehören zu diesen Bands. Nach den beiden leicht jazz-infizierten Grind- bzw. Mathcore-Monstern „Ideas of reference“ (10/2004) und „Our puzzling encounters considered“ (02/2007) liefern sie mit „Odd senses“ eine Platte ab, die mit der herkömmlichen Vorstellung eines Albums nichts gemeinsam hat. Die jeweils neu besetzten Brian Woodruff (Gesang), Mike Horn (Bass) und Jason Bauers (Schlagzeug), sowie die einzige Konstante mit Gitarren-Quäler Christopher Arp beschreiten mit ihrem dritten Longplayer extreme Kost, bei der weder etwas zünden kann, noch ein bestimmtes Maß an Vorliebe für irgendein Genre vorhanden sein muss um gezielte Empfehlungen auszusprechen.

„Odd senses“ ist ein einziges Experiment. Mit anderen Worten: „Odd senses“ ist „Odd senses“. Sicherlich ist der Output noch am ehesten im Grindcore verwurzelt, streitet seine Liebe zum (Free) Jazz nicht ab, hantiert mit Versatzstücken aus anderen Stilrichtungen und lässt mit „A murder to child“ sogar Kammermusik Einzug gewähren, aber alles in allem ist die neue Psyopus nicht definierbar. Dieser Umstand bringt positive als auch einige negative Aspekte mit sich. Auf der einen Seite ist es natürlich für jeden, der auch nur annähernd auf experimentelle Musik steht, eine Wohltat ein Album in den Händen zu halten, das sich und dem Hörer rein gar nichts schenkt. Ganz im Gegenteil: „Odd senses“ strapaziert die Nerven mit gesampelten Textfetzen, schrillen Klängen, unmenschlicher Gitarrenarbeit, hastigen Takt- und Rhythmuswechseln und dem kompletten Wegfall des Song-Denkens.

Auf der anderen Seite stellt sich trotz der freien und ungezwungenen Saiten- und Hirnwichserei wiederum die Frage, was Psyopus damit zum Ausdruck bringen wollen. Es geht noch schlimmer? Das Ende der künstlerischen Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht? a² + b² = c²? Wie soll eine Platte wie die vorliegende bewertet werden, wenn selbst ein zweiter Hördurchgang noch unerträglicher scheint als der erste? Die goldene Mitte (mit Ausschlägen nach beiden Seiten) ist wohl die einzig sinnvolle Antwort auf die (möglicherweise) vielen sinnlosen Fragen, die „Odd senses“ eigentlich stellt. Wer diesen musikalischen Trip wirklich einwerfen will, sollte sich jedenfalls auf einiges gefasst machen, denn dieses bitterböse Monster könnte einen plötzlich gefangen nehmen und nicht mehr loslassen. Entzug ausgeschlossen.

Anspieltipps:

  • Medusa
  • Boogeyman
  • A Murder To Child

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