Candlemass - Death Magic Doom - Cover
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Candlemass Death Magic Doom


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Legen wir die Karten auf den Tisch: Ohne Black Sabbath würde es diese Kritik hier gar nicht geben. Was die vier britischen Herrschaften rund um ihren Ur-Sänger Ozzy „The Prince of Darkness“ Osbourne mit den ersten beiden Alben „Black Sabbath“ (02/1970) und „Paranoid“ (09/1970) für einen richtungsweisenden Input für den erst zehn Jahre später aufkeimenden Doom Metal geschaffen haben, ist mittlerweile unüberschaubar geworden. Sicherlich gab es noch zig andere Bands, die sich eines ähnlichen Stils bemüht haben, aber die Mischung aus tiefer gestimmten Instrumenten, die in schleppendem Tempo aus den Boxen kriechen und eine dichte, beinahe undurchdringbare Atmosphäre erzeugen, ist in dieser Perfektion in der rezenten Musikgeschichte nur mehr gestreift worden.

Es mussten natürlich die Schweden sein, die diesen Legendenstatus nicht mit kleinen Hämmerchen bearbeiteten, sondern gleich zur großen Spitzhacke griffen und das unerschütterliche Fundament Black Sabbaths abzutragen begannen. „Epicus Doomicus Metallicus“ (06/1986) und „Nightfall“ (11/1987) wurden veröffentlicht, waren stil- und titelgebend für ein komplettes Subgenre des Metal und wuchsen damit recht schnell aus dem Schatten der Doom-Pioniere heraus. Leider verhinderte der mit offenen Armen empfangene Sänger Messiah Marcolin weitere Höhenflüge der von Leif Edling gegründeten Truppe Candlemass und sorgte mit seinen ständigen Aus- und Eintritten in die Band für ein beispielloses Kasperltheater, was auf einigen Alben nicht nur unterschiedliche Sänger und damit einhergehend schwankende Qualität zur Folge hatte, sondern auch in den Reihen der Fans für fast monatliche Ungewissheit sorgte, ob der Fortbestand des Acts überhaupt noch gesichert sei.

Nachdem Marcolin 2004 erneut zurückkehrte um als Sänger für den schlicht „Candlemass“ (05/2005) betitelten Output zu fungieren, war während den Aufnahmen zum Nachfolger allerdings schon wieder Schicht im Schacht und Edling verpflichtete stattdessen Rob Lowe der texanischen Solitude Aeturnus, der mit seiner ausdrucksstarken Stimme auf „King of the grey islands“ (06/2007) einen würdigen Einstand lieferte. Überhaupt gelang den Schweden mit diesem Werk ein faszinierender Ausflug in die düsteren Abgründe des Genres, was vor allem durch markante Melodielinien, einprägsame Riffs und einer gewohnt nebelverhangenen Stimmung eine nachhaltige Wirkung auf den Hörer übertrug, selbst wenn einige schwarze Schafe das Gesamtbild allzu sehr verdunkelten. Das sukzessive „Death magic doom“ dürfte diese Probleme jedoch nicht haben.

„If I ever die“ jagt nämlich ungewohnt rasant und von der Stimme Lowes getrieben durch den Gehörgang, dass dieser (für Doom-Verhältnisse) schon fast an unbändigen Geschwindigkeitsrausch grenzende, drauflos rockende Opener gar keine Sekunde Zeit lässt das eben Gehörte zu klassifizieren oder auch nur annähernd kritisch zu begutachten, was auch nach mehreren Durchgängen nicht passiert, da der Song einfach eine Klasse für sich ist. Gänzlich andere Kaliber fahren Candlemass dann mit „Hammer of doom“ und „The bleeding baroness“ auf, die dem epischen Doom Metal aus den Anfangstagen zu Nahe kommen, von denen ersterer allerdings mehr oder weniger eine Hommage an Sabbaths „Black Sabbath“ aufgrund der erklingenden Turmglocken, den Riffs und der Melodieführung ist, während letzterer als rhythmisch vertracktes 7-Minuten Epos eine gewisse Eingewöhnungsphase benötigt, bis er zündet.

Das anschließende „Demon of the deep“ erinnert stellenweise an die Spätphase von Black Sabbath mit Tony Martin hinter dem Mikro, allerdings ohne die erklingenden Gitarrensolos dem schlechten Songwriting zum Fraß vorzuwerfen, sondern um einen kohärenten Fluss zwischen Harmonie, technischer Finesse und Spielfreude zu schaffen. Dieses Kunststück gelingt „House of thousand voices“ leider nicht. Ganz im Gegenteil zur grandiosen ersten Hälfte befällt den Song eine ziellose Odyssee quer durch verschiedene Tempo-Stationen, die ohne greifbaren Höhepunkt ihr Dasein fristen. Diesen mit 8 Minuten doch sehr ins Gewicht fallenden Schnitzer badet das einen Bogen zum Anfang spannende und der somit ruppigeren Seite zugewandte „Dead angel“ aus, während „Clouds of dementia“ neben alptraumhafter Klangkulisse in Doom-Güteklasse A im Mittelteil ein paar knackige Hardrock-Riffs aus den 70ern vom Stapel lässt, von denen man eigentlich nie genug bekommen kann.

Zum Abschluss gibt es dummerweise nur ein an den „Hammer of doom“ angelehntes Songkonstrukt, das vor allem im Refrain seine frappante Ähnlichkeit offenbart und gerade bei mehreren Durchgängen an die Durchschnittlichkeit geopfert wird. Warum Leif Edling die neue Scheibe ihrer für sich selbst sprechenden Qualität zum Trotz unbedingt als „das beste Album seit „Nightfall““ ankündigen muss, weiß wohl nur er selber, denn wer bei „Death magic doom“ als Fan tonnenschwerer Riffs, schleppendem bis Midtempo-lastigem Rhythmus, verpackt in kompaktes Songwriting und garniert mit einer sowohl charismatischen als auch fulminant dargebotenen Gesangsleistung nicht zugreift, ist sowieso selber schuld.

Anspieltipps:

  • Dead Angel
  • If I Ever Die
  • Hammer Of Doom
  • Demon Of The Deep

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