The Agonist - Lullabies For The Dormant Mind - Cover
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The Agonist Lullabies For The Dormant Mind


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Man nehme Evanescence, Arch Enemy und All Shall Perish, stecke diese in einen Sack und stampfe das Ganze zu einer geschmeidigen Masse.

Man nehme Evanescence, Arch Enemy und All Shall Perish, stecke diese in einen Sack und stampfe das Ganze zu einer geschmeidigen Masse. Heraus käme etwas wie The Agonist. Nachdem ihr 2007 veröffentlichtes Debütalbum „Once Only Imagined“ noch relativ fest auf der gängigen Metalcore-Schiene fuhr, stellt „Lullabies For The Dormant Mind“ etwas sehr Eigenständiges dar.

Bei den vier Kanadiern stiehlt die enorm talentierte Frontfrau Alissa White Gluz allen die Show. Ihr auf höchstem Niveau angesiedelter, cleaner Gesang wechselt spielend zu den fiesesten Growls und Schreien. Mit einer solchen stimmlichen Bandbreite sucht sie Ihresgleichen. Eingebettet sind ihre Vocals in ein von Blastbeats dominiertes Soundgewitter, häufig unterfüttert mit Keyboards und Chören. Der Hörer wird in einem Rausch von sich ständig ändernden Rhythmen und Klängen hin und her geworfen. Dahinter stecken wohlüberlegte Songstrukturen von hoher Komplexität, wobei allerdings immer die absolute Härte, versehen mit mystischen Gesangsmelodien, im Vordergrund steht. Viele Rezensenten singen Loblieder darauf, doch ist dieser Stil zum einen anstrengend und verschenkt ferner jegliche Chance auf Ohrwurmtauglichkeit. Fans von ausgefallenem Songwriting und unkontrolliertem Moshen bei Livekonzerten muss das nicht jucken; auf der anderen Seite kann das aber durchaus ein Totschlagargument für das Scheitern eines Albums sein.

Nachdem es mit den ersten zwei Stücken einfach nur voll auf die Fresse gibt, bleibt „Thank You, Pain“ erstmals ein wenig mehr im Ohr hängen. Weitere Lichtblicke sind vielleicht noch „Waiting Out The Winter“ und „Martyr Art“, doch im Allgemeinen fällt es schwer die verschiedenen Titel klar zu unterscheiden. Die Interpretation des berühmten „Swan Lake“, in dem Alissa a cappella nochmal jeden Zweifel an ihren gesanglichen Fähigkeiten aus dem Weg räumt, ist leider ein überflüssiger Einschub. Als achter Track ist er zu spät für eine Verschnaufpause und lässt sich auch nicht als eine Art Trennlinie betrachten, da sich alle anderen Lieder (davor und danach) im gleichen Stil abspielen. Lieber würzt man das ganze Album mit der ein- oder anderen Ballade, oder man zieht die harte Schiene unterbrechungsfrei durch.

„Lullabies For The Dormant Mind“ kümmert sich weder um eine Einleitung noch um einen runden Abschluss und verwertet, vermeintlich nach Chaos-Prinzip, die verschiedenen Ideen der Bandmitglieder. So entstand ein druckvolles Wirrwarr, das die hohe Begabung der Band darlegt, aber viel zu ungebändigt daherkommt, um die breite Masse der Metalheads anzusprechen. Wer als Liebhaber von Female Fronted Metal vom letzten In This Moment Album enttäuscht war und zur Musik gerne mal einfach nur ausrasten will, dem sei „Lullabies For The Dormant Mind“ wärmstens empfohlen. Ansonsten sollten potentielle Käufer ihre Entscheidung nochmal überdenken und sich zumindest erst einmal über das Debütalbum an die Band herantasten.

Anspieltipps:

  • Thank You, Pain
  • Waiting Out The Winter
  • Martyr Art

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