Howling Bells - Radio Wars - Cover
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Howling Bells Radio Wars


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Das alte Lied! Eine bis dato noch namenlose Band steigt wie Phönix aus der musikalischen Asche und ist ab diesem Moment in vermeintlich jedermanns Ohren der Heilsbringer für gute Musik. Auch die in England lebenden, australischen Mitglieder der Howling Bells waren schlagartig präsent. 2006 eroberten sie mit ihrem selbst betitelten Debüt die Herzen vieler Hörer und ihr Sound wurde von Kritikern und Presse als der neu erfundene „Indie Noir“ gefeiert.

Nicht zu Unrecht. Denn ihre Mischung aus gespenstisch anmutenden Walzertakten, epischem Klangambiente, countryesken Balladen und nicht zu letzt einer gehörigen Portion Indie-Rock war erfrischend anders und ermöglichte der Band um Sängerin Juanita Stein Supportauftritte für die Killers, Snow Patrol und Placebo. Drei Jahre später toben die „Radio Wars“ und die Howling Bells scheinen überrumpelt. Das erste Album war einfach viel zu gut! Zwar geben sich die heulenden Glocken hörbar Mühe an ihren alten Sound anzuknüpfen. Jedoch wirkt das über die meiste Spielzeit arg durchschnittlich und viel zu verkrampft. So trifft man auf den netten Gitarren-Pop-Schleicher „It Ain’t You“, den mit Xylophon und psychedelischen Elementen gepimpten „Ms. Bell’s Song (Radio Wars Theme)“ oder das mit elektronischem Wummerbass ziemlich viel versprechend angehende „Golden Web“.

Was jedoch Track übergreifend fehlt ist der gewisse Aha-Effekt, der sich hier aufgrund der Langatmigkeit von Songstrukturen, fehlender Experimentierfreude und audialer Monotonie nur äußerst selten beim Hörer einstellen kann. Denn wenn Nummern wie das verträumt-düstere „Cities Burning Down“, das mit treibend-cineastischen Klangfarben voll gepinselte „Into The Chaos“ sowie das hastige, aber poppig eingängige „Digital Hearts“ hier als Highlights hervorzuheben sind, ist anzumerken, dass keines von ihnen an die Qualität des Band-Erstlings heranreichen kann. Aber für diese hoch angelegte Messlatte sind die Howling Bells nun mal selbst verantwortlich. Und ohne den grandiosen Vorgänger wäre die Bewertung ihrer „Radio Wars“ mit Sicherheit auch eine Tonspur anders ausgefallen.

In den Ohren bleibt ein anständiger, unscheinbarer, manchmal knapp über dem Durchschnitt rotierender Silberling, der keine wirklich schlechten Lieder beherbergt, aber dessen Highlights sehr überschaubar sind und der einen aufgrund der gesteigerten Erwartung an diese Platte dann leider doch ein bisschen enttäuscht unter seinen Kopfhörern zurücklässt.

Anspieltipps:

  • Cities Burning Down
  • Nightingale
  • Into The Chaos
  • Digital Hearts

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