Depeche Mode - Sounds Of The Universe - Cover
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Depeche Mode Sounds Of The Universe


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 61 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist fast wie immer, wenn Depeche Mode einen neuen Longlayer präsentieren: Schlechtes kommt nie dabei heraus.

Hoppla, was ist denn das? Schwer beladen wuchtet der nette Mann vom Paketdienst ein paar zusätzliche Kilos die Treppen herauf, als er pünktlich am Veröffentlichungstag von „Sounds Of The Universe“, dem neuen Album von Depeche Mode, das Paket mit der limitierten Sammlerbox abliefert. Da scheint sich aber ein „dickes Ding“ in dem Pappkarton zu verstecken. Wirklich spannend und um Welten besser, als eine schnöde Bemusterung mit einem unleidigen Online-Stream, der jedes Album automatisch schlechter klingen lässt.

In Zeiten stark sinkender Absatzzahlen müssen sich die Plattenfirmen etwas einfallen lassen, um ihre Ware weiterhin an den Mann und die Frau zu bekommen. Gewinner dieser Überlegungen sind die Fans und Sammler, die mit immer luxuriöseren Box-Sets belohnt werden, die freilich nicht gerade günstig sind und ab und zu auch als schlechter Witz durchgehen (der „Death Magnetic“-Sarg von Metallica zum Beispiel), aber es wird ja niemand zu etwas gezwungen. Und so kann man sich mit dem einfachen Studioalbum und 13 Tracks zufrieden geben – oder aber man maximiert den Jäger-und-Sammler-Trieb mit zwei zusätzlichen CDs mit 25 (!) Bonus Tracks und Demos sowie einer äußerst umfangreichen DVD. Begleitet wird das Ganze von einem Hardcover Buch, Postkarten, einem Poster, Fotografien, Kunstdrucken und exklusiven Badges. Wie gesagt, nur wer mag und den hohen Preis zahlen will.

Wir befassen uns hier „nur“ mit dem regulären „Sounds Of The Universe“-Werk. Es ist das 12. Studioalbum in der fast 30-jährigen Karriere der erfolgreichsten Synthie-Pop-Band der Welt. Das Album erscheint im klassischen Depeche Mode Vierjahresrhythmus und ist der Nachfolger zum 2005er Werk „Playing The Angel“, auf dem erstmalig Sänger Dave Gahan (47) neben Martin Gore (48) zum Songwriting beitrug. An dieser Arbeitsteilung halten die drei Briten auch anno 2009 fest. Die Arbeiten begannen Anfang Mai 2008 in Santa Barbara, Kalifornien und zogen sich bis zum Ende des Jahres hin. Als Produzent war wie schon beim Vorgänger Ben Hillier (u.a. The Rascals, Elbow, Blur, The Futureheads) an Bord.

Mit „In chains“ beginnt das Album melancholisch und düster. Nach einem langen Intro wabern die charakteristischen DM-Harmonien und Dave Gahans vertraute Stimme aus den Lautsprechern, so dass sich der Hörer gleich „zuhause“ fühlt. Dennoch ist der Song mit sieben Minuten Spieldauer gemessen an dem, was darin passiert, einfach zu lang. Er bietet allerdings einen treffenden Vorgeschmack auf das, was den Hörer in den nächsten 61 Minuten erwartet: Bis auf „Wrong“, die erste Singleauskopplung, sowie den clever und eingängig komponierten Popsong „Fragile tension“, gibt es keine Songs, die auf Anhieb als große Singlehits tauglich wären. Stattdessen setzen Depeche Mode vermehrt auf Atmosphäre und kleine, sperrige Details, mit denen die düstere Grundstimmung ihrer großartigen Alben aus den frühen 90er Jahren reproduziert wird. Um das Ziel zu erreichen, setzt das Trio schräge E-Gitarrenriffs („Come back“, „Corrupt“) und bedrückende Grooves ein („Hole to feed“, „In chains“, „Peace“). Auch im Boot: Eine klassische Martin-Gore-Solonummer („Jezebel“), dunkle Electro-Balladen („Little soul“, „Spacewalker“) und sanft pumpende Dance Tracks („In sympathy“).

Es ist also fast wie immer, wenn Depeche Mode einen neuen Longlayer präsentieren: Schlechtes kommt nie dabei heraus. Qualitative Schwankungen sind von jeher minimal und der zugrundeliegenden körperlichen und geistigen Verfassung der Bandmitglieder geschuldet. Und diese scheint perfekt zu sein, da jetzt auch Martin Gore clean ist und sich voll auf die Musik konzentrieren kann. Dadurch überzeugt „Sounds Of The Universe“ nicht als Hitalbum, sondern als atmosphärisch dichtes Werk, das so schnell nicht langweilig wird und Depeche Mode pur bietet.

Anspieltipps:

  • Peace
  • Wrong
  • Perfect
  • Corrupt
  • In sympathy
  • Fragile tension
  • r

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