Stoppok - Auf Zeche - Cover
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Stoppok Auf Zeche


  • Label: Grundsound/INDIGO
  • Laufzeit: 201 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Musikalisch einwandfrei, aber irgendwie langweilig.

Endlich! Werden viele Fans sagen. Ist Stoppok schließlich was Live-Veröffentlichungen angeht sehr träge. Und das bei einem Künstler der lieber vor Publikum steht, als sich der mühsamen Studioarbeit hinzugeben. Die lauten Rufe nach der ersten Live-CD befriedigte der gebürtige Hamburger erst 1999 mit dem Album La-La-Live und musste sich damals die Kritik gefallen lassen, etwas zu viel an der Aufnahme geschnipselt zu haben. Nicht nur, dass viele Ansagen fehlten, ein Song wurde sogar zwischendurch ausgeblendet – zu lang für eine einzelne CD.

Kein Wunder also, dass Stoppok diesmal Wert darauf legt, dass der zweite offizielle Live-Mitschnitt einer Karriere die knapp 30 Jahre währt, „fast“ komplett auf DVD erschienen ist. Das Ergebnis sind 130 Minuten Film (und viel Zusatzmaterial) und eine prallvolle CD, die es zunächst aber zu vernachlässigen gilt. Ort der Aufnahme ist Stoppoks eigentliche Heimat Essen, dort aufgewachsen zu sein gab ihm den lästigen Zunahmen Ruhrpottpoet oder auch -rocker. Vor der Zeche Carl trafen sich seine treuen Fans, um ein ganz normales Konzert zu feiern.

Das Besondere an Stoppok-Konzerten ist der Funke, der allzu häufig vom Publikum auf Stoppok rüberspringt und gerne auch wieder zurück. Der improvisierende Entertainer Stoppok ist der Höhepunkt einer jeden Show, bei denen die Musik gerne schonmal in den Hintergrund geraten kann. Doch was nun, wenn der Funke nicht so richtig überspringen will, sondern im viel zu breiten Graben zwischen Band und Fans landet. So geschehen in Essen – ausgerechnet in Stoppoks Heimat herrscht Funkenstille.

So plätschert die erste Konzerthälfte so vor sich hin, musikalisch einwandfrei, aber irgendwie langweilig. Die neueren Stücke – Singer-/Songwriter-lastig – tragen nicht gerade zur Stimmungsmache bei, erst als es langsam dunkler wird, rockt Essen. Mit „Romeo und Julia“, „So gemeint“, „So einfach ist das“ und natürlich „Aus dem Beton“ wird endlich der Schalter umgelegt. Der Entertainer Stoppok bekommt den Schalter zwar an diesem Abend nicht mehr richtig umgelegt – oder hemmen ihn die vielen Kameras? – aber der Musiker zeigt, dass er zu Deutschlands erster Liga gehört.

Völlig misslungen ist leider die 5.1-Abmischung. Aus den hinteren Kanälen sind hauptsächlich quatschende und biertrinkende Zuschauer zu vernehmen, was leider ganz und gar nicht atmosphärische sondern nur eine nervige Wirkung hat. Bei Stoppoks Ansagen hat man dadurch den Eindruck, dass ihm eigentlich niemand zuhört. Der Stereoton hingegen ist gelungen, etwas dumpf zwar, aber dafür sind die Nebengeräusche nicht so aufdringlich.
Das Bild ist leider auch nur Mittelklasse. Häufiger ist Stoppok völlig überbelichtet – man wird den Eindruck nicht los, dass hier nicht geprobt wurde. Was bei Stoppoks Textaussetzern schon erwartet wird (von denen es einige gibt – Learning By Burning ist so richtig „gelungen“), ist bei der Bildqualität leider wirklich peinlich.

Nun, die Fans werden sich freuen, ein Stoppok-Konzert endlich im Wohnzimmer genießen zu können, aber trotzdem hoffen, dass sich der Künstler in nicht allzu ferner Zukunft zu einer weiteren DVD-Produktion durchringen kann. Dann vielleicht in einer gemütlichen, engeren Indoor-Location, wo der Funke dann auch überspringen kann.

PS: Die CD ist nettes Beiwerk, aber da auch hier bei einzelnen Songs wieder geschnitten wurde, sollte man das Hauptaugenmerk doch auf die DVD legen.

Anspieltipps:

  • So gemeint
  • So einfach ist das
  • Risiko
  • Learning By Burning

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