Sue - Home Philosophy - Cover
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Sue Home Philosophy


  • Label: Z-Muzic/ALIVE
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ausgerechnet Ostfriesen!? Wer noch immer in seiner klein karierten Welt lebt und außerdem Erdkunde geschwänzt hat, dem wird durch die norddeutsche Band „Sue” erst mal ordentlich vors Schienbein getreten. Und das auf eine künstlerische und sanfte Art, dass es den grobschlächtigen umso mehr wehtun wird. Hamburg ist nicht umsonst auch da oben und dass aus dieser Stadt schon genug innovative Musik gekommen ist, braucht wohl keinen Beweis mehr. Man möchte laut lachen, wenn man hört, dass Skip Danko (Vocals) und Enno Lengert (Gitarre, Bass), als sie sich trafen, sich als Punks trafen und verstanden. Die Zeit verging, neue Mitglieder wurden aufgenommen und aus dem Punkprojekt wurde durch den Einfluss von Thilko Rassau (Gitarre) und Milan-East (Bass, Rhodes, Synths und Produktion) etwas völlig Anderes. Jetzt handelt es sich um Elektro-Atmosphäre der feinen Sorte mit einem guten Schuss Pop, der zuletzt noch von dem neuesten Mitglied Sebastian Meier (Schlagzeug) untermalt wird.

Das wohl vorherrschende Instrument ist die Akustikgitarre Rassaus, die zumeist die Hauptmelodie darstellen darf. Dazu paart sich die Omnipräsenz des Milan-East, der allerdings auch immer für ein gewisses Maß an Dezenz bei der Elektronik sorgt. Der Sound von „Sue“ ist nie überbordend, sondern stets höflich und berührend. Besonders in den ruhigen Stücken, wie am Anfang „This Is“ und „I Woke Up“ lässt sich diese Quintessenz heraus erkennen. Der mutige Schritt sich auch im schnellen Viervierteltakt zu versuchen, wie es letzten Herbst die sonst so ungewöhnlichen Polarkreis 18 mit ihrer Einfachheitshymne „Allein Allein“ taten, wird auch hier belohnt. „Unsigned Hype“ gibt dem Album die nötige Fahrt und Varietät, sodass niemand behaupten kann, hier wäre elfmal derselbe Song Programm.

„New York“ fügt sich dann noch einmal den Elektro-Indie-Balladen, bevor es ein wenig poppiger und auch schwungvoller wird. „Hamburg Is The Love“ ist nämlich ein astreiner Popsong, der beinahe schon zu leichtfüßig für die bisherige Atmosphäre wirkt, aber wie gesagt: Abwechslung tut Deutschland (und auch „Sue“) gut! Jetzt wird es auch richtig interessant. Anstatt sich wieder in vorsichtigen Impressionsstücken wie „This Is“ zu verlieren, kommt mit „Sad Place“ ein Track, auf den die hoch gepriesenen Bloc Party stolz wären. Elektro-Pop-Rock der richtig starken Sorte und für knapp vier Minuten sind die weniger mitreißenden Stellen dieses Albums vergessen.

Danach verliert das Album allerdings jegliche Fahrt. In „A Sun Light Please“ wird sich noch mal eine Spur zu leicht den Synths hingegeben, jedoch folgen jetzt nur noch ruhige Stücke. „Get Back On A Chain“ hebt die Stimmung wieder ein wenig, aber jetzt wird sich doch zu wenig getraut und die Songs wollen nicht mehr so überraschen, wie eben der Opener. Zu guter letzt kommen gleich zwei Schlüsse. „All We Got“, wie auch „Freak“ geben einen guten Schluss ab, doch aufgrund des gedrosselten Tempos erscheint dies beinahe zu viel. Wenn man dann aber öfters diese Nummern hört, wachsen sie und wachsen, sodass man den Ostfriesen doch vergeben mag. Was für eine Atmosphäre sie hier schaffen ist selten aus deutschen Landen. Für diesen Qualitätsgehalt ist man letztlich doch zu dankbar und vielleicht lässt sich ja noch mehr aus dieser Combo herausholen. Bis dahin wird „Home Philosophy“ für die ein oder andere ruhige und auch nachdenkliche Stunde gut sein und immer mal wieder den Weg in den CD-Player finden.

Anspieltipps:

  • This Is
  • Unsigned Hype
  • Sad Place

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