Olli Schulz - Es Brennt So Schön - Cover
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Olli Schulz Es Brennt So Schön


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ja, er hat’s getan! Und deshalb ist „Mach den Bibo“ auch kein Maßstab für das vierte Schulz-Album.

Nach drei Alben zusammen mit Max Schröder alias Der Hund Marie, der inzwischen bei Tomte am Werk ist, kommt Olli Schulz erstmals auf Solopfaden daher. Und schon scheint es so, als hätte der liebe Herr Schulz mit Max Schröder seinen Geschmackswächter verloren. Wie sonst soll man den Auftritt bei Stefan Raabs Promotion-Veranstaltung „Bundesvision Song Contest 09“ erklären, der zu allem Übel mit einem Song stattfand, der alle selbsternannten Indie-Moralapostel auf den Plan ruft.

„Mach den Bibo“ heißt der Stein des Anstoßes, mit dem Olli Schulz den fünften Platz bei belegte – und ist eigentlich gar nicht so schlimm. Denn wer bei dem Gute-Laune-Stück mit Sesamstraßen-Gaga-Text genauer hinhört, muss sich unweigerlich fragen, ob Olli Schulz den ganzen „Bundesvision Song Contest“-Quatsch nicht gehörig auf die Schippe nimmt. Wir sind jedenfalls der Meinung: Ja, er hat’s getan! Und deshalb ist „Mach den Bibo“ auch kein Maßstab für das vierte Schulz-Album.

„Es brennt so schön“ zeigt den Wahl-Berliner als ernsthaften und ernstzunehmenden Songschreiber zeigt. Es wurde in Berlin und Ollis alter Heimat Hamburg von Moses Schneider (u.a. Beatsteaks, Tocotronic, Kreator) und Swen Meyer (u.a. Kettcar, Tomte, Kilians) aufgenommen und produziert. Zu den Gästen zählen Walter Schreifels (Rival Schools), Bernd Begemann, Lee Buddah, Mark Tavassol (Wir Sind Helden) und Gisbert zu Knyphausen – also gewiss keine Kollaboranten für ein albernes Spaßalbum. Und das ist „Es brennt so schön“ auch nicht geworden.

Schon mit dem wütenden Opener „Ab jetzt tut’s nur noch weh“ wird der Hörer auf ein gedankenschweres, ja mitunter auch melancholisches Werk eingeschworen, das sich um politische sowie gesellschaftliche Themen, den Sinn bzw. den Ernst des Lebens und die Last mit der Liebe dreht. All das wurde in handgemachte Indie-Popsongs verpackt, die sich ein wenig in der Tomte/Kettcar-Ecke bedienen und einen gewandelten Olli Schulz zeigen, der – bis auf den Bibo-Ausreißer – nicht mehr den Klassenclown gibt, sondern als gereifter Liedermacher auftritt, den man mehr denn je auf der Rechnung haben muss. Eine Hymne wie „Ewig leben“ schüttelt nämlich nicht jeder aus dem Ärmel und inhaltlicher Protest muss nicht klingen wie angestaubtes 70er-Jahre-Liedgut. Deshalb aufgepasst! Auch wenn man meint, dass Olli Schulz am Ende des Albums wieder mit der Welt versöhnt ist, wenn er in im beschwingten „Wenn die Sonne wieder scheint“ zu Trompete, Klavier und Mandoline singt, sollte man ganz genau hinhören. Denn die nächste Nacht kommt bestimmt!

Anspieltipps:

  • Wie sie
  • Ewig leben
  • Geheimdienst
  • All you can eat
  • Ab jetzt tut’s nur noch weh

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