Queensryche - American Soldier - Cover
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Queensryche American Soldier


  • Label: Rhino/WEA
  • Laufzeit: 61 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ganz schön bitter, wenn eine Band seit mehr als 20 Jahren an einem einzigen Album gemessen wird, das zu den absoluten Meilensteinen des progressiven Heavy Metals gezählt wird (nämlich „Operation: Mindcrime“ aus dem Jahr 1988) und es nicht schafft, einen auch nur ansatzweise adäquaten Nachfolger zu präsentieren. Okay, mit „Empire“ (1990) gelang dies vielleicht noch, aber was dann kam, war oftmals nur noch fauler Zauber. Also zogen Queensryche die Konsequenzen und legten – ähnlich wie z.B. Meat Loaf oder Mike Oldfield – ihren einzigen Megaerfolg neu auf.

Mit der Konzeptfortführung „Operation: Mindcrime II” (03/2006) versuchte die Band aus Seattle zur alten Relevanz zurückzufinden, doch dies gelang weder künstlerisch noch kommerziell zur vollen Zufriedenheit. Doch Queensryche ist eine hartnäckige Band. Und so legt sie nach zwei überflüssigen Intermezzos mit einem Live- („Mindcrime At The Moore”, 08/2007) sowie einem Coverversionen-Album („Take Cover”, 11/2007) heuer wieder ein äußerst ambitioniertes Konzeptwerk vor, das als sozial-musikalisches Statement „die Erfahrungen amerikanischer Veteranen aus verschiedenen Kriegen vom Zweiten Weltkrieg bis zum letzten Irak-Krieg aus deren Sicht und in ihren eigenen Worten schildert“, die zum Teil in Form gesampelter Interview-Schnipsel mit den betroffenen Soldaten in die Songs mit eingeflossen sind.

Ein gewagtes Spiel, den Stücke wie „Unafraid“ werden durch die Sprachfetzen total zerrissen und es bedarf einiger Konzentration des Hörers, die – man höre und staune! – modernen Gitarrenriffs und den wie immer makellosen Gesang von Geoff Tate herauszufiltern. Doch das dürfte für den erfahrenen Prog-Rock-Hörer kein Problem darstellen. Und so setzt sich Stück für Stück ein passend zum Seelenleben der Soldaten atmosphärisch düsteres, schwermütiges und melancholisches Werk zusammen, das mit allerlei Soundeffekten aus der Kriegsfilmabteilung angereichert wurde.

Auffallend an „American Soldier“ ist, dass Queensryche weit weniger progressiv und verfrickelt zu Werke gehen, als es das Thema des Albums vermuten lässt. Die Songs sind auf den Punkt komponiert und streckenweise erschreckend simpel arrangiert („Middle of hell“). Anstatt metallischer Härte regieren melodische Rockmusik und eingängige Refrains, die allerdings nicht großartig hängenbleiben. Die gerne zitierten „mehreren Hördurchgänge, bis sich das Werk dem Hörer erschließt“, sind jedenfalls nicht notwendig, um festzustellen, dass „American Soldier“ ein solides Album ist, mit dem Queensryche der Tradition treu bleiben, keine besseren Alben als „Empire“ und „Operation: Mindcrime“ abliefern zu können.

Anspieltipps:

  • The killer
  • Man down!
  • At 30.000 ft
  • If I were king
  • Hundred mile stare

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