Schein - Wir Sind Der Funk - Cover
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Schein Wir Sind Der Funk


  • Label: Red Farm Records
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Red Hot Chili Peppers auf Deutsch? Schein, wollen da einige antworten und die PISA-Studie klopft gleich wieder an. Aber nicht nur die Kreuzritter der Rechtschreibung, sondern auch der gemeine Rezensent will da nicht sofort Glauben schenken. Schein haben mit ihrem Funk unter Kennern schon für Kopfnicken und zufriedene Mienen gesorgt, doch die Grenzen waren immer noch klar erkennbar. Dass sie auch immer wieder von einzelnen Stücken durchbrochen wurden, lässt aber auch bei ihrem dritten Output hoffen. So ist die Spannung doch überdurchschnittlich hoch, wenn man die Platte einlegt und lauscht, was Georg (Gesang, Gitarre), Treu (Schlagzeug), Mw Fire (Bass, Gesang), Sedi (Gitarre), Christoph (Percussion), Dominik (Trompete), Belucci (Saxophon) und Hardy (Posaune) so aus dem Hut zaubern, wenn das Album schon großspurig „Wir Sind Der Funk“ verkündet.

Die Musikgruppierung aus dem süddeutschen Freising, die schon mal „Münchner Band des Jahres“ waren, legt mit „Schein Für Mich“, einer Selbsthymne, gleich selbstbewusst los. So kann deutscher Funk ruhig klingen. Bläser von allen Seiten, immer dann, wenn man sie braucht. Die Gitarren und der Bass grooven angenehm und bitten zum Tanz. Warum „Alles“ alles über Bord wirft, was den ersten Track so stark macht und sich als Elektro-Pop mit Sprachgesang versucht. Dass dieses Lied mehr so etwas wie eine kurzzeitige Krankheit, ein kleiner Schnupfen oder ein kratziger Hals zum Beispiel, beweist „Geld Oder Leben“, das wieder dem rockigen Funk frönt. Es fehlt zwar der letzte Höhepunkt, um einen richtig starken Song entstehen zu lassen, aber gut ist das allemal.

„Club der Verlierer“ kann sich lange Zeit nicht an den tollen Melodien der bisher guten Tracks messen, doch das Ende entbehrt mit verspielten Soli wenigstens ein wenig. Richtig Party kann dann wieder mit „Baby Geht Steil I“ gefeiert werden, wobei der Discosektor sich zum schon bekannten Funk gesellen darf. Dieses Crossover wird von „Wochenende II“ komplettiert, welches seine Wurzeln beim Reggae sucht, ohne den Funk zu vergessen. Eine Pause, die gut tut und langsam kratzen die Jungs an der Grenze, die sie zur Oberklasse trennt. Diese wird dann auch sogleich galant durchschritten. Der Titelsong ist ein absolutes Highlight auf dem Album. Gesangsrhythmus wie man ihn von den Peppers kennt. Ein Gute-Laune-Refrain und tolle Solo-Einlagen so ziemlich aller Instrumente.

Dieses Level kann auch beinahe gehalten werden, wenn man nach wenigen Sekunden von „Tick Tack“ schon nicht mehr aufhören kann, mit dem Fuß zu wippen und spätestens beim Refrain wird getanzt, dass man nicht mehr weiß, was die Glieder da mit einem anstellen. Dann kann man nach dem Wochenende mit „Platz An Der Sonne“ auch wieder die Seele baumeln lassen. Auch hier fehlt zwar der Funken zur schönen Hymne, aber richtig gut, ist das trotzdem. Das Problem ist dann nur, dass „Regen“ nur vom Namen her einen Kontrast zum Vorgänger bildet. Das Problem ist allerdings kein großes, denn ein fantastisches Bläsersolo lässt den Hörer frohlocken und so kommt keine Langeweile auf. „Vergiss Es Nicht“ komplettiert dann das gemächliche Trio und ist irgendwo zwischen Liebeslied und dem Song für den Trip danach.

Jetzt heißt es aber den Frust und die Regentropfen abzuschütteln und den Platz an der Sonne ruhen zu lassen, denn nun schlägt das „Nonplusultra“ zu, das zwar nicht ganz dem Namen gerecht wird, aber dennoch den Puls auf funkige Weise hochjagt und an Spartengrößen erinnert. Dass Liebeslieder nicht immer den einen Tick langsamer sein müssen, beweist dann das peppige „Julia“ und es wird auch für den letzten klar, wie wichtig diese Blasinstrumente für den Funk sind. Ohne geht nicht. Das Grande Finale „Erst Der Anfang“ besticht mit ironischem Titel, gutem Text und einem super Zwischenteil, der Lust auf mehr macht. Und das am Ende des Albums. Wie gemein! Auch wenn bei dem ein oder anderen Track doch noch das letzte Bisschen fehlt, um einen wirklich besonderen Song darzustellen, ist man versucht, gleich noch einen Hördurchgang zu starten. Nicht umsonst heißt es da ganz am Ende: „Wir fangen doch jetzt erst an!“ Na dann mal los!

Anspieltipps:

  • Wir Sind Der Funk
  • Erst Der Anfang
  • Tick Tack

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