Green Day - 21st Century Breakdown - Cover
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Green Day 21st Century Breakdown


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 69 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch wenn über allen Songs stilistisch der Punkrock thront, haben Green Day heuer sehr viel Wert auf unterschiedliche Einflüsse gelegt.

Mit „Dookie” (01/1994) gelang im direkten Anschluss an den Grunge-Hype ein nie geglaubtes Punkrock-Revival. Das Album verkaufte über elf Millionen Einheiten und machte Green Day gleich mit ihrem Majordebüt für Reprise Records zu weltweiten Superstars. Dennoch blieben die drei darauffolgenden Studioalben allesamt mehr als deutlich hinter den „Dookie“-Verkaufszahlen zurück, was auch zum Teil an der unschlüssigen musikalischen Ausrichtung der Songs lag.

Erst zehn Jahre nach ihrem Durchbruch konnten Green Day an den Riesenerfolg von „Dookie“ anknüpfen. Mit dafür verantwortlich war der damalige US-Präsident George W. Bush, der Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt und Tré Cool mit seiner Politik zu dem wütenden Konzeptalbum „American Idiot“ (09/2004) inspirierte, auf das die Rockwelt nur gewartet zu haben schien: 13 Millionen verkaufte CDs, der Gewinn des Grammys für das Album des Jahres und eine ellenlange Tour um den gesamten Globus waren die Folgen, die dazu führten, dass der „American Idiot“-Nachfolger erst jetzt erscheint.

„21st Century Breakdown“ ist das achte Studioalbum von Green Day. Es wurde von Butch Vig (Nirvana, The Smashing Pumpkins, Sonic Youth, Helmet) produziert und ist genau wie der Vorgänger ein Konzeptalbum, das die aktuelle US-amerikanische Realität entlarven soll. Satte 18 Songs, aufgeteilt in drei Akte, sind darauf enthalten, für die sich die Band rund drei Jahre Entstehungszeit gelassen hat und dabei den Druck, einen ähnlich erfolgreichen Nachkommen zu produzieren, deutlich gespürt hat. Doch mit der Hilfe von Butch Vig hat das Trio die Puzzleteile zu einem erneut sehr ambitionierten Werk zusammensetzen können, das vermutlich nicht so viele Hitsingles wie „American Idiot“ abwerfen wird und mit seiner glamourösen Mischung aus Pop- und Rockmusik auch das eine oder andere Punkrock-Kid verschrecken wird.

Sei’s drum. Dass Green Day auch weiterhin in der Lage sind, eingängige Songs zu schreiben, zeigt bereits die erste Singleauskopplung „Know your enemy“. Der Track ist brutal simpel und besitzt nicht gerade eine herausragende Melodie, dennoch bleibt er sofort im Ohr. Und das ist es doch, was Singles leisten müssen. Wesentlich komplexer, aber nicht minder eingängig ist dagegen der Titeltrack, der mit verschiedenen Breaks, Tempowechseln und an Queen gemahnenden Gitarren im Stil einer kleinen Rockoper daherkommt. „Viva la Gloria“ beginnt mit einem Pianopart, den sich Green Day bei Elton John bzw. Billy Joel abgeschaut haben. Macht aber nichts, denn weiter geht’s mit galoppierendem Punkrock, ehe „Before the lobotomy“ wieder einen Haken in Richtung vertrackterer Songstrukturen schlägt.

Auch wenn über allen Songs stilistisch der Punkrock thront, haben Green Day heuer sehr viel Wert auf unterschiedliche Einflüsse gelegt. Diese zeigen sich in breitwandigen Pianoballaden („Last night on earth“), dezenten New-Wave-Experimenten („Christian’s inferno“), Hardrockriffs („East Jesus nowhere“), System-Of-A-Down-artiger Folklore („Peacemaker“) und schmalzigen Bombastsongs („Restless heart syndrome“). Das ist viel – sehr viel – und gerade weil nicht alle Songs ein gleich hohes Qualitätslevel halten können („Murder city“ und „Viva la Gloria “ fallen besonders ab), besteht die Gefahr, dass der Hörer mit der schieren Songmasse und den stilistischen Elementen überfordert wird. Aber was sollten Green Day auch machen: Einen trotzigen Nachfolger im „Insomniac“-Stil rausrotzen oder an das erfolgreiche Konzept von „American Idiot“ anknüpfen?

Das Trio hat sich diesmal für den schwereren Weg entschieden und einen ziemlichen Brocken Musik auf den Weg gebracht, der von guter bis sehr guter Qualität ist, aber nicht die Intensität von „American Idiot“ erreicht. Das ist aber nicht schlimm, denn Alben dieser Güteklasse gelingen Künstlern maximal alle zehn Jahre. Das bedeutet in der Theorie, dass Green Day „schon“ im Jahr 2014 den nächsten Klassier abliefern werden und bis dahin auf ein gelungenes Übergangswerk verweisen können. Ist doch alles ganz einfach. Also nicht aufregen!

Anspieltipps:

  • 21 guns
  • The static age
  • Christian’s inferno
  • 21st century breakdown
  • Last of the american girls
  • Horseshoes and handgrenades

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