Eisblume - Unter Dem Eis - Cover
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Eisblume Unter Dem Eis


  • Label: B1 Recordings/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Oha, was haben wir denn da? „Eisblumen“ schöner Name und die Brücke zu „Silbermond“ wird schnell geschlagen. Wie sich schnelle rausstellt auch nicht zu unrecht, denn auch wenn der erste optische Eindruck der Band Richtung Gothic geht, gerade Frontfräulein Ria ist schuld an der Fehlannahme, stellt sich schnell heraus, dass hier Pop-Rock Made in Germany serviert wird. Aber wieso auch nicht, denn es ist nun nicht so, dass Silbermond, Juli und Co. schon die ganz große Platte abgeliefert haben. Bevor die Erwartungen allerdings zu hoch angesetzt werden, sei daran erinnert, dass nach einer EP „Unter Dem Eis“ das erste Album der Berliner ist. Erstmal schauen und dann können wir vielleicht noch weiter schauen.

Schnell werden auch die musikalischen Vorlieben der Band aufgeklärt, wenn ein Piano immer wieder seine Einsätze sucht, und auch die elektronischen Klänge im Hintergrund sind stete Wegbegleiter auf „Unter Dem Eis“. Die Gitarren müssen sich ihre Kraft normalerweise für den Refrain aufsparen. Es wird sich also niemand beleidigt fühlen, wenn „Eisblumen“ als Ballade bezeichnet wird, denn auch wenn der Refrain kraftvoll aus den Boxen dröhnt, ist das ruhige Element hier klar vorherrschend. Balladen gibt es auf diesem Album noch zur Genüge. Dass einem bei diesem doch recht zweidimensionalen Programm nicht langweilig wird, liegt ganz besonders an Rias sehr gelungenen Texten, die mal wieder beweisen, dass es genug Gründe gibt, in der Muttersprache zu singen.

Natürlich gibt es auch ein paar Ausrutscher, wie zum Beispiel das all zu poppige „Leben Ist Schön“. Wie eine neu gemasterte 90er-Synthie-Krankheit trällert der Song aufdringlich und uninspiriert auf den Hörnerven des Hörers herum. Da lobt man sich doch tatsächlich lieber gleich drei Balladen à la „Überleben“, die das Siegel „solide“ nicht wirklich überschreiten. Das soll jetzt nicht so negativ klingen, wie es das wahrscheinlich tut. Dass die Band tatsächlich im Grunde so etwas wie eine Rockgruppierung sein soll, wird dann in „Land In Sicht“ erkenntlich. Der Pop ist zwar auch hier tief verwurzelt in den Melodieabläufen der Berliner, doch das muss ja nichts Schlimmes sein, denn dieser Track ist mit Garantie ein Ohrwurm für die Massen, der auch qualitativ gut zu betrachten ist.

Der endgültige Stil wird immer noch gesucht, was sich gut an Tracks wie „Zeit Zu Gehen“ oder „Sieben Mal“ beobachten lässt. Ersteres will instrumental ein Rocker sein und zwingt sich dann doch ein textliches und emotionales Balladenkorsett auf, während „Sieben Mal“ ein sehr ähnliches Syndrom zu Tage fördert. Nur bei den Balladen vermag die Band bisher ihre volle Entfaltungskraft zu entwickeln. Das beste Beispiel dafür ist der herzzerreißende Rausschmeißer „Louise“. Diese Ode an die Traurigkeit wird bei vielen Eisblume-Hörern schnell auf der Favoritenliste landen. Einfaches, nicht neues Rezept, das immer wieder vorzüglich funktioniert. Allerdings auch frisch und gut umgesetzt. Der Weg zur Eigenständigkeit ist aber noch weit, was den Eisblumen hoffentlich bewusst ist.

Anspieltipps:

  • Louise
  • Land In Sicht
  • Unter Dem Eis

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