Pet Shop Boys - Yes - Cover
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Pet Shop Boys Yes


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer generell nichts mit Popmusik anzufangen weiß, der wird auch „Yes“ sicherlich nicht als das große Pop-Album anerkennen können.

Pet Shop Boys. Xenomania. Diese beiden Begriffe lassen den geneigten Fan der Popmusik ziemlich schnell mit der Zunge schnalzen. Die beiden, inzwischen durchaus in die Jahre gekommenen, britischen Synthie-Pop-Helden und das auf der Insel derzeit äußerst angesagte englische Produzententeam (z.B. für einige Hits der Sugababes oder Girls Aloud bekannt) hatten sich nun also tatsächlich eine Weile zusammen im Studio eingeschlossen und eifrig am nunmehr 10. Studioalbum der PSB gebastelt. Heraus kam eine Platte, die den einfachen, wie genialen Titel „Yes“ (in guter, alter Tradition nur ein einziges Wort) trägt.

Ziemlich genau drei Jahre ist es nun her, dass das letzte eigenständige Pet Shop Boys Album „Fundamental“ trotz hauptsächlich guter Kritiken kommerziell nicht gerade Bäume ausreißen konnte. Es war für PSB Verhältnisse zu düster, zu politisch und trotz (oder etwa wegen?) Trevor Horn als Produzent nicht zeitgemäß genug, was eigentlich schade war, weil es an der Qualität der Songs im Prinzip nicht viel auszusetzen gab. Aber zurück in die Gegenwart. Die Pet Shop Boys sagen also auf ihrem neuen Longplayer „Ja“. „Ja“ ist ein positives Wort, ein Wort, welches Überzeugung übermitteln soll, also genau das, was man in Zeiten von Wirtschafts- und Finanzkrise gebrauchen kann. Hoffnungsvolle und aufmunternde Popmusik, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann – genau das ist es nämlich, was einen guten Popsong ausmacht. Und gute Popsongs hat es auf „Yes“ in rauen Mengen.

Da wäre die erste Single „Love, etc.“, dieser Song der nicht wie ein klassischer Pet-Shop-Boys-Titel klingt und gleichzeitig unverkennbar PSB ist. Ein Widerspruch ? Keineswegs. In ihrer beinahe 25-jährigen Karriere haben es die Pet Shop Boys immer wieder verstanden sich neu zu erfinden, nicht immer gleich zu klingen und niemals „Being Boring“ zu sein. „Love, etc.“ klingt frisch, modern, ist absolut eingängig und vielleicht sogar die beste PSB-Single seit „Se a vida e“ (1996). Nach „Love,etc.“ geht es direkt weiter mit der hymnischen Mitklatschnummer „All over the world“, welche sich nicht nur fast als zweite Single aufdrängt, sondern auch und gerade live wahrscheinlich eine ganz große Nummer werden könnte.

Im weiteren Verlauf folgen z.B. das wunderschöne „Vulnerable“, der funkige Disco-Song „More than a dream“ mit einem großartigen Falsett-Refrain oder z.B. der eigentlich ursprünglich für Kylie Minogue geschriebene Track „Pandemonium“, welcher sich bereits direkt am Anfang mit einem stampfenden, harten Beat ankündigt, bevor es danach für den Hörer etwas länger als dreieinhalb Minuten von einen Trip von einem Hook in den nächsten geht, ohne dass eine größere Verschnaufpause gewährt würde.

Das eigentliche Highlight von „Yes“ ist aber ohne Zweifel das wahrhaft großartige „The way it used to be“, welches man gehört haben muss, um es adäquat beschreiben zu können. Hier liegt all jenes vor, was die Pet Shop Boys 25 Jahre erfolgreich im Geschäft gehalten hat. Der Song ist traurig, melancholisch, gleichzeitig allerdings beinahe tanzbar und steigert sich gegen Ende in eine zuckende Synthesizer Sinfonie, dass es eine wahre Freude ist. Obendrein krönt das ganze der wunderschöne Text, in welchem es um eine zerbrochene Liebe geht, in der der Verlassene zurückblickt und sich wehmütig an das zurückerinnert „was mal war“.

Abschließend setzt die kleine Pop-Oper „Legacy“ in deutlich über 6 Minuten virtuos instrumentiert und dennoch leicht verstörend das i-Tüpfelchen auf dieses wirklich starke Popalbum. Bei „Yes“ gibt es eigentlich ziemlich wenig zu meckern. „Xenomania“ haben es geschafft die Pet Shop Boys anno 2009 in einen elektronischen Jungbrunnen zu werfen, der auch dringend nötig war, denn so kontemporär und leuchtend gab es die PSB schon sehr lange nicht mehr. Es gibt nahezu kein „Füllmaterial“ (einzig vielleicht „Did you see me coming“ klingt ein wenig antiquierter als der Rest, ist aber trotzdem sehr eingängig) und wenn man auch nur irgendetwas mit guter Popmusik anzufangen weiß, ist das schon sowas wie ein Pflichtkauf.

Wer generell nichts mit Popmusik anzufangen weiß, der wird auch „Yes“ sicherlich nicht als das große Pop-Album anerkennen können, welches es eigentlich darstellt, auch und gerade, weil es ja „nur“ Popmusik ist – aber eben verdammt gute.

Anspieltipps:

  • Love etc.
  • All over the world
  • Pandemonium
  • The way it used to be

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