MSTRKRFT - Fist Of God - Cover
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MSTRKRFT Fist Of God


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 39 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Grat ist schmal auf dem diese Art von Musik wandert, sie kann so unendlich dämlich, sie kann aber auch so unendlich genau richtig sein.

Ich weiß nicht was es ist, aber an irgendetwas darbt aggressiv elektronische Musik in letzter Zeit. Die enormen Ambivalenzen die sich beim zweiten MSTRKRFT-Album „Fist Of God“ auftun, obwohl der Vorgänger so vielversprechend Aggressivität und kitschige Leichtigkeit zu vereinen verstand, reihen sich nahtlos ein in eine uninspirierte Hau-Drauf-Phase der härteren elektronischen Musik seit vielleicht zwei Jahren.

Nicht dass der Wunsch nach Veränderung und Weiterentwicklung hier moniert werden soll, MSTRKRFT wollten, wie in Interviews bekundet, bewusst andere Wege gehen. Der Einwand geht gegen den künstlerischen Gehalt des Endergebnisses. Härter ist „Fist Of God“ geworden, stärker gesangs- und popstrukturbetont mit einem deutlichen Anschlag auf Rap- und R&B-Percussivität. Aber an „Bounce“, „Click Click“ und „Word Up“ ist schlicht nichts dran, die musikalischen Themen nach dreißig Sekunden erschöpft und ausgelutscht, die Raps von E-40, Ghostface Killah und N.O.R.E. schlicht eine Offenbarung an peinlich trunkener Banalität. Es scheint als hätte das Tournachtleben den Kollaborationsausschlag gegeben und nicht musikalische Ideen.

Der Grat ist schmal auf dem diese Art von Musik wandert, sie kann so unendlich dämlich, sie kann aber auch so unendlich genau richtig sein. „1000 Cigarettes“ und der Titelsong, vielleicht weil sie keine Co-Autoren zur Seite haben, weisen nämlich in die exakt gegenteilige Richtung. Zwingend peitschen zermalmende Synthie-Gitarren-Riffs ins Ohr, hier wirken die sonst überbordend inflationär eingesetzten, Schlagzeug-Sound hart machenden, Crash- und Ride-Becken an ihren Platz; aber ach, es weilt nicht lang, dann kommt der nächste Gast mit wahlweise schlechten Raps oder Melodieeinfällen und zerlegt das Talent der Hormonausschütter aus Toronto Al P. und Jesse F. Keeler.

Neulich beim Sebastien-Grainger-Konzert, der jetzt hymnischen Schrammelrock macht, singt er so gedankenverloren: „and in these times so long ago, we just didn’t thought at all“. Unabhängig davon ob er die alten Death-From-Above-1979-Zeiten meinte oder nicht möge sich Jesse F. Keeler bitte ebenfalls an diese erinnert fühlen und in Bälde wieder Hormonausschüttung mit Kreativität paaren. Zwei Kracher, das reicht einfach nicht.

Anspieltipps:

  • 1000 Cigarettes
  • Fist Of God

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