Joe Gideon & The Shark - Harum Scarum - Cover
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Joe Gideon & The Shark Harum Scarum


  • Label: Bronzerat Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist manchmal zum Haare raufen, dass es immer wieder völlige Missinterpretationen von Bands und ihrer Musik geben muss. Da wird „Joe Gideon & The Shark“ als LoFi-Rock für die Massen beschrieben, dabei haben die zwei Briten unglaublich wenig mit den Pionieren des modernen LoFi-Rock „The White Stripes“ gemeinsam. Aber es ist immer gut, den Himmel blau zu reden, wenngleich die Sonne seit Monaten im Winterurlaub ist.

Allein die Dauer von 45 Minuten bei gerade mal neun Lieder macht schon deutlich, dass es sich hier nicht um kurze Spaßmacher, sondern um Großwerke handelt. Warum für so etwas ausgerechnet dieser Stil des Rock gewählt wird, wird noch beantwortet… oder auch nicht. Denn ist „Harum Scarum“ noch so ziemlich das, was man sich unter LoFi vorstellt, sprich knatternde Gitarren, eine mäßig berauschende Stimme, verwoben, kratziger Garagenklang und eine einfache Melodie, haut es einen noch nicht vom Hocker. Da ist keine geniale Hookline oder Super-Ohrwurm-Melodie, die dafür sorgt, dass die Musik einen bezaubert.

Das große Drama des Albums beginnt dann aber recht offensichtlich mit dem zweiten Song „Civilization“, denn nachdem das Lied nach drei Minuten einen befriedigenden Abschluss gefunden hätte, zieht sich der Spaß ins gefühlte unendliche. Um das ganze wirklich erträglich zu machen, fehlt wieder eine hübsche Melodie und auch die Spoken Words von Gideon gehen einem mehr als nur auf den Fünfuhrteekeks. Das Talent eben einen solchen Riff sinnlos zu verfeuern beweisen Joe und die kleine Schwester Viva (Shark) dann aber eindrucksvoll mit „DOL“, denn wie der angenehm raue Riff hier ausgelutscht wird, drängt an R’n’B-Melodielauf-Wiederverwertungs-Vergewaltigung.

Es ist bezeichnend, dass zwei weitere Tracks dann noch die Siebenminutenmarke ihren besten Freund nennen und im Kopf des Hörers aber eine gefühlte halbe Stunde vergeht, in der mehr ruhiger Krach herrscht, als irgendetwas Anderes. Kleine Passagen, die wirklich schön sind, werden von unnötigen Kracherhaltungsphasen nichtig gemacht und zu Recht überlegt man, ob man nicht einfach den nächsten Song abspielen sollte. Die sind dann nur meist nicht kürzer und nur jene, die sich die depressiven und/oder melancholischen Geschichten Gideon gerne anhören, haben ihren Spaß. Freunde der Musik finden hier nichts Neues und nichts Bewährtes und werden auf eine Geduldprobe auf der Suche nach den schönen Augenblicken gestellt.

Wenn man denn die viel zu lange Ballade „Anything You Love That Much You Will See Again“ wach übersteht (sie ist nicht schlecht, sondern schlichtweg zu lang), dann kommt mit „Pale Dot Blue“ noch der dazugehörige Ausklang und wenn nicht ein schöner Zwischenteil mit Streichern für eine neue Note sorgen würde, möchte man am Liebsten mit dem Kopf gegen etwas Hartes schlagen. Zwölf Minuten passiert bis auf das Streichersolo nichts. Das ist eine beachtliche Leistung, die für „dreckigen Rock“ nicht ganz passend zu sein scheint. Dieses leere Gefühl breitet sich mehr und mehr im Hörer aus und man macht sich ernsthaft sorgen, ob es auch in Joe Gideon so aussieht. Bis auf wenige Lichtblicke und den ein oder anderen Schatten, sieht es nämlich sehr trostlos aus.

Anspieltipps:

  • Harum Scarum
  • True Nature
  • Pale Dot Blue

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