Mely - Portrait Of A Porcelain Doll - Cover
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Mely Portrait Of A Porcelain Doll


  • Label: Silverwolf Records
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Melancholie ist für viele Musiker ein beliebter Katalysator, der nicht nur ganze Alben beeinflussen oder färben, sondern mit der richtigen Portion Wehmut auch den entscheidenden Unterschied zu anderen Veröffentlichungen im jeweiligen Sektor ausmachen kann. Zwar übertreiben es z.B. die unzähligen Emo-Bands etwas mit ihrem Weltschmerz, aber schließlich gibt es überall Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Eine dieser ambitionierten Kapellen sind Mely aus Österreich, die sich schlicht und ergreifend nach dem englischen „melancholy“ in abgekürzter Fassung benannt haben und daher allzu gerne mit klagender Stimme in ihren schwermütigen Klanggebilden baden.

Bereits seit 1999 unterwegs ist „Portrait of a porcelain doll“ das bereits vierte Werk von Andreas Mataln (Gesang, Gitarre), Peter Lengfeldner (Gsang, Gitarre), Martin Mataln (Keyboard, Synthesizer), Daniel Huber (Bass), sowie Hannes Ganeider (Schlagzeug) und was gibt es Schöneres als mit einem frischen Album das zehnjährige Jubiläum zu feiern, noch dazu wenn die Vorgänger immer wieder für eine ganz eigene Atmosphäre und hohe Noten in einschlägigen Musikmagazinen gesorgt haben? Abgesehen davon würde es die fünf Alpenländer sicher nicht stören wenn endlich der erhoffte Durchbruch ins Haus steht und das Schattendasein als Vorgruppe für Bands wie Opeth, My Dying Bride, Dimmu Borgir, Ektomorf, Moonsorrow, Leaves Eyes, Emil Bulls oder Xandria ein Ende hat.

Gemessen an der „Porzellanpuppe“ dürfte es allerdings noch ein wenig dauern, denn leider spielen Mely nicht immer ihre Asse aus und verzetteln sich in fragmentarisch wirkendes Songmaterial, das nicht in sich abgeschlossen scheint. Der Opener „Of doubts and fears“, das richtig starke “Bricks against porcelain dolls” mit aufbegehrendem Finale und die durchdachte Mischung aus aufgeladenem Schmerz und rockiger Katharsis in „Hell low“ sind die größten Momente der Dark Metal-Scheibe, der Rest kann sich nicht zwischen Ballade und einem Mix aus Doom und Heavy Metal entscheiden und bricht daher entweder ungestüm mit romantisch-melodischen Verzierungen aus den Boxen („It is cold without shoes“, „Sweet six feet“, „Grown for doom“), will einen ähnlichen Kontrast zwischen hart und weich generieren wie „Hell low“ („Maybe yesterday“, „My addiction“) oder nimmt es mit dem Schmerz etwas zu ernst und schmettert suizidgeschwängerte Textzeilen ins Mikro („Goodbye life / Goodnight my friends / I am a tired boy“ aus „Don´t wake the sleeping dog“), die ein wenig zuviel des Guten sind.

Unterm Strich haben Mely aber immerhin eine gewisse Eigenständigkeit zu bieten, die sich vor allem an der düsteren Stimmung und den zweistimmigen Gesangsharmonien bemerkbar macht, wodurch die negativen Punkte nicht mehr allzu stark ins Gewicht fallen und „Portrait of a porcelain doll“ damit wenigstens als Geheimtipp für dunkle Gestalten und den einen oder anderen Gothic Metaller gelten dürfte.

Anspieltipps:

  • Hell Low
  • Of Doubts And Fears
  • Bricks Against Porcelain Dolls

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