Art Brut - Art Brut Vs. Satan - Cover
Große Ansicht

Art Brut Art Brut Vs. Satan


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 31 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die musikjournalistische Tendenz Eddie Argos’ Redseligkeit grandios zu bewerten mag befremdlich wirken, hört man seine Band Art Brut zum ersten Mal. Auch auf dem dritten Album „Art Brut Vs. Satan“ findet sich wieder Platz für ausschweifende Banalitäten und genrebedingte Kampfslogans en masse.

Zu Gute halten muss man der in London beheimateten und mit zwei aus Deutschland stammenden Bandmitgliedern bestückten Rebellen-Truppe indes, hat man sich lange genug auf sie eingelassen, dass ihnen, erstens, ein gewisser genuiner Charme eigen ist und zweitens Argos Lyrics durchaus gepfefferte Kleinoden von Wert enthalten können. Allerdings – und hieraus erwächst die Irritation – stehen diese in Reih und Glied mit Überflüssigem. “How am I supposed to sleep at night / When nobody likes the music we write”, ach Eddie, ich habe auch Probleme, weißt du? Das Trunkenheitsresümee “I can’t remember anything I’ve done / I fought the floor and the floor won!”, in “Mysterious Bruises” klingt da schon, die tatsächlichen menschlichen Belange betreffend, wesentlich reflektierter.

Kurz gesagt läuft etwas falsch, wenn man sich genötigt sieht, die journalistische Rezeption zu Art Brut begradigen zu müssen und die Band und ihre musikalische Produktion in den Hintergrund gerät. Unzweifelhafte Do-It-Yourself-Punkrock-Einstellung, ein freches, schnelles und krachiges Indie-Garagen-Geschrammel mit freimütigen, wie leichtzüngigen Lebensgeschichten und Weisheiten Argus’ machen die Musik Art Bruts charmant, erfrischend zügellos und letztlich gütig. Aber das letztgenanntes Zitat Pulitzer-Preis verdächtig oder Argus der wortgewandteste Songschreiber im Rock sei, erscheint – wie Eingangs argumentiert – einigermaßen befremdlich.

Natürlich ist da ordentlich Punk-Attitüde drin – und zwar echte, aber halten diese Fahne Art Brut beileibe nicht alleine hoch, geschweige denn am großartigsten. Der gekonnte Flirt mit dem Garagen-Punk vergangener britischer Dekaden reicht dem englischen Blätterwald aus, der eigentlich recht popigen und melodiösen Musik der Londoner zu bescheinigen, sie sei nothing but punk. Und ohne Erwägung übernimmt die Journalie der Welt jenes Urteil.

Art Brut sind eine gute Band, die schnellen, mit manchen mitteln des Punk verzierten Indie-Rock ohne großes Nachdenken auf geneigte Hörerschaften los klatscht. Eddie Argus Lyrics bewegen sich dabei zwischen bissigen Erfahrungsberichten, treffsicheren Gegenwartsbeobachtungen, überbordenden Egoismen bis völlig uninteressanten und überflüssigen Sprüchen und Belehrungen. Diesem an sich einfachen Urteil werden unverständlicherweise mediale Steine in den Weg gelegt und ein dichter Dschungel an Verblendungsrezeption über die ach so schillernde und geniale Persönlichkeit des Bandleaders gelegt. Ähnlich wie The Hellacopters göttlich zu erachten und The Datsuns nicht zu kennen, könnte man auch hier unzählige Vergleiche anführen, die Art Brut in Sachen niveauvoller, typisch britischer, punkinfizierter Garagenrockigkeit ihren von der Presse angehefteten Alleinvertretungsanspruch kosten.

Schade, dass über diese Hindernisse hinweggedacht werden muss, bevor Art Brut Art Brut sein darf. Das dritte Album ist von Frank Black produziert, der die Spontanität der Mucker noch stärker herauskitzelt als bisher. Ein take pro Song und Black sagt: fertig. Argus schreit: geil! Warum haben wir nicht schon immer so aufgenommen? (Weil ihr nicht das seid, was die Presse in euch sieht?)

Der Opener und erste Single „Alcoholic Unanimous“, „Slap Dash For No Cash“ und „Mysterious Bruises“ sind gefällige bis gute Songs, aber der konstant gestiegene Nervfaktor nach mehrmaligen Durchlauf und die auf Dauer unkreative Beständigkeit der Melodiekonstruktion, die gegen das Geschrammel ankämpft, steht dem unverrückbar diametral gegenüber und scheint zu induzieren: so richtig super-interessant ist es dann doch nicht.

Anspieltipps:

  • Alcoholic Unanimous
  • Slap Dash For No Cash
  • Mysterious Bruises

Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „Art Brut“
comments powered by Disqus