Kellner - This Ocean Life - Cover
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Kellner This Ocean Life


  • Label: Südpol Records
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Fluch der mut’gen Tat: Es geht weiter! Keine Lust auf Hartz IV und mit einigem musikalischen Talent ausgestattet, entschloss sich der gelernte Schreiner Matthias Kellner anstatt Arbeitsloser einfach mal professioneller Musiker zu werden. Ja klar doch! Einfach mal so nebenbei als Notnagel im Blick auf die Arbeitsmarktkrise. Ist ja auch nicht so, dass tausende scheitern und dann kommt da doch dieser junge Mann daher, der nichts zu verlieren meint und macht alles mehr oder weniger richtig. Zumindest sollte man ein Album-Output und einen Plattenvertrag als etwas Positives bewerten, oder nicht?

Jetzt wird also mit eigener Band durch die bayrischen Lande gezogen und das Album soll selbstverständlich zum Großangriff auf die gesamte Republik dienen. Tatsächlich will die Musik vom ersten Ton an gefallen. Nicht zu einfach, sodass eine gewisse Unprofessionalität an den Tag kommen könnte und doch Melodien, die schnell Anklang beim Hörer finden. „Murder Of Crows“ gibt gleich die Richtung des Gitarrenpop vor. Ein paar Streicher, einfache Drums und Spielereien im Hintergrund komplettieren das Gesamtbild für ein schönes Lied.

Wie sich das dann als Single anhören soll, zeigt die Vorab-Single „Bees In My Mind“, wobei das Intro kein Stück schwächer war. Gute Songs, die nicht zu viel an Fahrt vorlegen und wo jeder gemütlich mit auf der Welle reiten kann. Ein weiteres Instrument, dass sich hier aber anmeldet, ist das Banjo, das Reminiszenzen an Travis anklingen lässt. Ungewollt, aber nicht negativ zu bewerten! Um dann dem Gitarrenpop doch ein wenig Facettenreichtum abgewinnen zu können, wird ein lockerer Reggae-Rhythmus gewählt und die Stimme eine Spur kratziger gestellt. So kann man auch für Stimmung und noch wichtiger für Abwechslung sorgen.

Im Anschluss wird noch das Terrain der Balladen erkundet und immer mal wieder zum seichten Gitarrenpop der einfachen Art zurückgekehrt. Hier darf das Feuerzeug rausgeholt werden oder halt der Kamin angestarrt werden mit Partner oder Glas Wein zur Hand. Es darf auch Beides oder etwas völlig Anderes sein. Wir wollen hier ja nicht unnötig Grenzen setzen. Spätestens bei „Zombie Attack“ hat man sich ein Bild von Kellners Musik gemacht und man ist durchaus positiv überrascht. Wer allerdings tiefer mit der Singer/Songwriter-Materie vertraut ist, denkt bei diesem Titel vielleicht an Sufjan Stevens und dann fällt doch auf, dass der Schreiner aus Regensburg noch ein Handwerker ist und kein Künstler. Und so kommt letztlich ein Album heraus, dass sich einen Mangel an Vielfalt zwar vorwerfen lassen muss, im Endeffekt aber viel zu sympathisch ist, um als ein Werk zweiter Klasse angesehen zu werden. Die wichtige Botschaft ist ganz sicher: Wenn du nur willst, dann kannst du auch. Matthias Kellner ist ein Paradebeispiel.

Anspieltipps:

  • Murder Of Crows
  • Rich Man
  • Ballad Of A Poor Man

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