Doves - Kingdom Of Rust - Cover
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Doves Kingdom Of Rust


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit dem sich abzeichnenden wirtschaftlichen Abschwung kommt der Rost. Befällt die Städte, die leer stehenden Fabriken und verändert das Stadtbild. Für die Aufnahmen des neuen Albums „Kingdom Of Rust“ kaufte sich die Band Doves eben eines jener heruntergekommenen Gebäude. Jimi Goodwin, Sänger und Bassist sieht den Titel gebenden Rost deshalb auch als einen Neuanfang. Er und seine Band gaben der alten Fabrik eine neue Identität und machten sich mit vielen Ideen ans Werk.

So greift die Britpop Band das Thema für ihr viertes Studioalbum auf und nennt es „Kindom of Rust“. Vier Jahre sind seit dem letzten Album „Some Cities“ ins Land gezogen und das hört man den Songs auch an: Doves zeigen sich detailverliebt und schreiben komplex-durchdachte Stücke, die nicht selten an ihrem eigenen Anspruch zu scheitern drohen. So sind auf dem Album größtenteils fünf-minütige Lieder enthalten, die hier und da vielleicht einer kleinen Straffung bedurft hätten.

Mit dem Auftakt „Jetstream“ machen Doves zunächst jedoch alles richtig: Der nervöse, vom Keyboard bestimmte Song kommt ganz langsam in Fahrt und baut sich auf. Zum summenden Keyboard gesellen sich Goodwins hier heller Gesang, pumpende Electrobeats und ein treibendes Schlagzeug. So erschaffen Doves einen kleinen Radiohead-Moment und einen super Einstieg, der nicht mal einen Refrain braucht. Der folgende Titeltrack geht dann in eine ganz andere Richtung: Der Gitarre wird mehr Raum gegeben, im bittersüßen Refrain hört man ein Glockenspiel, in den Strophen flächige Streicher. Dem Lied haftet mit seiner Wüsten-Gitarre und dem hoppeligen Schlagzeug ein Country-Einschlag an. „The Outsiders“ drängelt sich nach einem Keyboard-Gewitter-Anfang dann mit seinem wabernden Bass treibend nach vorne.

Fast allen Songs haftet etwas Elegisches, Langgezogenes an. Hallender Gesang, dichte und düstere Keyboard-Schichten, kleine psychedelische Ausflüchte wie zum Beispiel bei „10:03“ lassen eine starke Grundatmosphäre entstehen, die häufig schwermütig, aber nicht depressiv wirkt. Darüber kann auch ein etwas hellerer Song wie „Winter Hill“ nicht hinweg täuschen. Doves vergessen jedoch hin und wieder, mal eine knackige Melodie oder flottere Instrumentierung mit einzubauen, wodurch das Album durchaus Längen aufzuweisen hat.

Songs wie „10:03“ mit seinem durchdachten Aufbau und dem psychedelischen Finale oder „House of Mirrors“, das die Western Idee vom Titelstück wieder aufgreift, funktionieren jedoch hervorragend. Auch „Compulsion“ weiß durch treibend-stampfendes Schlagzeug und groovenden Bass zu überzeugen. Einen Song wie „Birds Flew Backwards“ hätte man indes wegfallen lassen, „Spellbound“ zum Beispiel hätte man vielleicht kürzer gestalten können.

So stellt man auf Albumlänge fest, das Doves vielleicht hier und da etwas zu viel wollen und lassen leider nur wenig dynamische Abwechslung zu, wodurch das Album etwas lang wirkt. Kürzungen oder ein paar kurzweiligere Stücke hätten dem „Kingdom of Rust“ sicher gut zu Gesicht gestanden, denn Doves können die Spannung nicht über die vollen 50 Minuten halten. Was bleibt ist ein stilsicheres, atmosphärisch starkes und detailverliebtes Album, das tatsächlich aufgrund seiner eigenen Ansprüche „nur“ ein gutes Album geworden ist.

Anspieltipps:

  • Jetstream
  • Kingdom Of Rust
  • Compulsion
  • House Of Mirrors

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