Handsome Furs - Face Control - Cover
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Handsome Furs Face Control


  • Label: Sub Pop/CARGO
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Handsome Furs! Der Bandname entstammt einer Kurzgeschichte der Schriftstellerin und Musikerin Alexei Perry. Zur Gründerzeit der „hübschen Pelze“, Freundin von Wolf Parade Mitglied Dan Boeckner sowie bis heute bessere Hälfte des aus dieser Beziehung gediehenen Indie-Duos. Mittlerweile sind die beiden verheiratet und veröffentlichen nach ihrem Debüt „Plague Park“ aus dem Jahre 2007 bereits Studiowerk Nummer zwei. Der Album-Titel „Face Control“ entspringt einer Russland-Tournee des hochmusikalischen Ehepaars, bei der die beiden auch mit der rustikal-russischen Türsteher-Politik konfrontiert wurden. Boeckner singt und spielt Gitarre während Perry Synthesizer und Drum-Computer navigiert und den neuen Tracks im Vergleich zum erwärmten und ausgedehnten Pop á la Wolf Parade einen hörbar mechanischeren Grundton einprogrammiert.

Dies offenbart sich bereits beim Upbeat-Einstieg „Legal Tender“ der von harschen Synth-Klängen ins Rollen gebracht wird und für die rockig-elektronische Popmusik der kommenden knapp vierzig Handsome Furs-Minuten stellvertretend herangezogen werden kann. Darüber hinaus verzichtet Boeckner fast vollständig auf eine überwiegend akustische Handhabung seines Saiteninstruments, wie man es noch auf dem deutlich düsteren LP-Vorläufer wahrnehmen konnte. Stattdessen passt sich die Klangfarbe seiner Gitarrenarrangements oft den robot-artigen Tönen aus Perrys Elektronikmaschinen an und kreiert auch deshalb einen kompakteren Sound als auf dem Band-Erstling.

Wie auf dem vom Boeckner so herrlich apathisch interpretierten, stumpfe Beats und messerscharfe Gitarrenriffs vereinenden „Evangeline“ oder der pop-rasenden „I Want Candy“-hear-a-like Ohrmuschel-Attacke „Talking Hotel Arbat Blues“. Auch das klagende „All We Want, Baby, Is Everything“, welches einem akustischen Schmelztiegel aus hüpfender Bass-Line und eingängiger Gitarren/ Keyboard-Melodie gleich kommt, das stürmische polternde „I’m Confused“ oder das von dezent-kühler Akustik umgebene und enorm wieder erkennungsfähige „Officer Of Hearts“ verkörpern das bunte Allerlei aus entstellten Gitarren, elektronischer Mühelosigkeit und wummernden Bassläufen dieser musikalischen Gesichtskontrolle.

„Face Control“ gedeiht leichtohriger als sein getragener Vorbote und zelebriert in jeder Beziehung einen glückseligen Elektro-Pop den man von einem Wolf Parade Ableger so wohl nicht erwartet hätte. Und obwohl die Handsome Furs eigentlich nur als Nebenprojekt fungieren, ist der Boeckner-Perry-Fraktion hiermit dennoch ein glaubwürdiges, anregendes und eigenständiges Album gelungen.

Anspieltipps:

  • Evangeline
  • Talking Hotel Arbat Blues
  • I’m Confused
  • Thy Will Be Done

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