The Decemberists - Hazards Of Love - Cover
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The Decemberists Hazards Of Love


  • Label: Rough Trade/INDIGO
  • Laufzeit: 59 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Das nach adligen russischen Revolutionären (Dekabristen) des 19ten Jahrhunderts benannte Quintett aus Portland hat seine musikalische Metamorphose zur „wahren“ Rockband erfolgreich abgeschlossen. Und „The Decemberists“ zelebrieren dieses Ereignis nicht einfach mit der Veröffentlichung eines stinknormalen Longplayers, sondern begeistern stattdessen mit einem dramatischen, wie auch progressiven Meisterwerk in siebzehn Akten.

Colin Meloy und Kumpanen haben sich spätestens mit der audialen Nacherzählungen eines japanischen Märchens („The Crane Wife“) auch hierzulande als feste Indie-Größe manifestieren können. „The Hazards Of Love“ ist ein lupenreines Konzeptalbum, das im Stile einer epischen Rockoper, die Liebesgeschichte der beiden Hauptcharaktäre Margaret und William erzählt. Musikalisch vereint diese knapp einstündige Erzählung, melodiösen Indie-Pop mit knarrenden Folk-Elementen, ungewohnten Metal (light) Ausbrüchen und gitarrenlastigem Progrock. „The Decemberists“ klingen zeitweise wie die Independent-Version der ruhig-laut-Passagen-Heroen von „Brand New“. Und auch Neuerungen ihres Klanggewandes, wie jene psychedelische Grundstimmung, sowie ein von Kinderchören und Orchesterinstrumenten erschaffener Bombast, erweitern ihr bühnenreifes Soundspektakel ungemein.

In seinen Geschichten trifft Meloy (William) auf seine Geliebte Margaret, ein facettenreiches Monster und eine Waldkönigin. Die weiblichen Neben,- bzw. Gesangsrollen wurden mit den diamantischen Becky Stark (Lavender Diamond) und Shara Worden (My Brightest Diamond) hervorragend besetzt und auch „My Morning Jacket“ Mastermind Jim James erscheint hier auf der musikalischen Gästeliste. Einzelne Lieder des Albums hervorzuheben macht wenig Sinn. Das hier funktioniert als Gesamtkunstwerk. Interlude, Leitmotiv, Zwischenspiel, Reprise und fließende Song-Übergänge flankieren die schräg verwobenen Geschichten um die Wirrungen der beiden Hauptprotagonisten.

Diese Rock-Oper ist gewaltig, beherzt, pompös und im Vergleich einer sich immer mehr den kargen Vorlieben dem Gros seiner Hörerschaft anpassenden Musikkultur, geradezu ein Lichtblick akustischer Kreativität. The Decemberists haben mit „The Hazards Of Love“ ein Opus eingespielt, das ausdrucksvoll und bemerkenswert, manchmal verwirrend, jedoch stets intensiv, noch äußerst lange in den Gehörgängen nachklingt.

Anspieltipps:

  • The Hazards Of Love 2
  • The Wanting Comes in Waves / Repaid
  • Annan Water
  • The Hazards Of Love 4

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