Neil Young - Fork In The Road - Cover
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Neil Young Fork In The Road


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Fork In The Road“ wird von Neil Youngs Plattenfirma Warner Bros. kaum beworben und der Meister selbst gibt keine Interviews zu dem Album.

Warnhinweis: Ab jetzt wird jede Besprechung eines neuen Neil-Young-Albums mit dem mahnenden Hinweis versehen, wann denn bitteschön der langversprochene erste Teil der „Archives“-Box-Set-Serie auf den Markt kommt. Dieser musste nämlich schon wieder verschoben werden, weil der kauzige Waldschrat aus Kanada ganz spontan ein neues Studioalbum aus dem Hut gezaubert hat. Die Freude darüber hält sich in Grenzen, denn zum einen wissen wir was es bedeuten kann, wenn Herr Young spontan musiziert und zum anderen liegt das letzte bedeutsame Werk des 63-Jährigen schon recht lange zurück.

„Fork In The Road“ wird von Neil Youngs Plattenfirma Warner Bros. kaum beworben und der Meister selbst gibt keine Interviews zu dem Album. Dafür engagiert er sich neuerdings für eine Kampagne namens „LincVolt“, die den amerikanischen Traum von grenzenloser Freiheit auf endlosen Highways aus der Sicht von Umwelt und Natur behandelt und als Lösung auf alternative Antriebsstoffe setzt. Benzin reicht eben nicht ewig, das scheinen die Amis inzwischen kapiert zu haben – auch wenn’s wehtut. Und so tuckert Neil Young in einem zum Elektroauto umgebauten Lincoln Continental durchs Land, um das Volk zu sensibilisieren.

Genau dort setzten auch die Songs auf „Fork In The Road“ an, die sich konzeptionell dem „On the Road“-Thema anschließen. Es wird in vertrauter Weise laut und rau gerockt und bewusst wenig Wert auf einen polierten Sound gelegt. Eigentlich verrückt, da ausgerechnet Neil Young das perfekte Klangerlebnis propagiert, die CD verteufelt und das gute alte Vinyl und die Audio-DVD lobpreist. Theorie und Wirklichkeit liegen in diesem Fall weit auseinander, wie schon der windschiefe Garagen-Rock-Opener „When worlds collide“ zum Ausdruck bringt. Young jagt einen schrägen Gitarrenakkord nach dem anderen durch die Lautsprecher und begleitet sich dazu mit krakeliger Stimme, die mehrmals umzukippen droht. Zum Glück steht ihm ein kräftiger Frauenchor zur Seite, sonst würde der eine oder andere Song im stimmlichen Fiasko enden.

Keine ausufernden Improvisationen, kein filigranes Songwriting – Neil Young stampft auf „Fork In The Road“ wie ein Berserker durchs Unterholz („Johnny magic“) und kommt schnell auf den Punkt („Fuel line“). Er rechnet in „Cough up the bucks“ zynisch mit seinen Mitmenschen ab („Where did all the money go? Where did all the cash flow?) und ist sich nicht zu schade für simple Bluesrocker („Get behind the wheel”) und recht belanglose Stücke wie „Off the road“ und „Hit the road“. Man merkt, Neil Young ist in seinem „On the Road“-Konzept gefangen und versucht das Beste daraus zu machen, was ihm nur bedingt gelingt, wie in der akustischen Gänsehautballade „Light a candle“, dem besten Track des Albums. Ansonsten ist das Songmaterial eher beliebig und arm an echten Höhepunkten. Das hört man sich ein paar Mal an und lässt es dann im Regal verschwinden. Es kommt ja bald das acht CDs umfassende Box-Set. Hoffentlich.

Anspieltipps:

  • Johnny magic
  • Light a candle
  • When worlds collide
  • Cough up the bucks

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