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Fler Fler


  • Label: Aggro Berlin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!


Im deutschen wie im internationalen HipHop/Rap ist mittlerweile alles eine Nummer kleiner geworden. Der Hype ist vorbei, großartige Attraktionen bleiben aus und die Verkaufszahlen haben sich dem insgesamt miesen Niveau des Gesamtmusikmarktes angeglichen. Das Gute an dieser Situation: Das Genre unterzieht sich einer Selbstreinigung. Die Labels nehmen nicht mehr jeden Möchtegern-Affen unter Vertrag und US-Topstars wie 50 Cent und Eminem lassen sich für ihre Produktionen deutlich mehr Zeit. Das sollte der Qualität deutlich zugute kommen.

In Deutschland ist es noch nicht so weit. Hier teilt sich der kommerzielle HipHop/Rap-Markt unter einer Handvoll relevanter Künstler und Labels auf, die sich um den kleiner gewordenen Kuchen mit eindeutig zu vielen Veröffentlichungen balgen. So kommt z.B. Bushido im Schnitt auf zwei CD-Veröffentlichungen pro Jahr und auch der „Aggro Berliner“ Fler erreicht locker dieselbe Quote. Er hat in den vergangenen vier Jahren vier Soloalben fertiggestellt und insgesamt an zehn Veröffentlichungen mitgewirkt. Eine Praxis, die im Pop- und Rock-Business undenkbar wäre. Doch damit hat der 26-Jährige längst nicht alle Tracks auf den Markt gebracht, die er im Studio fertiggestellt hat. Eine unbekannte Anzahl liegt noch auf Halde, z.B. weil die eigene Qualitätskontrolle Alarm geschlagen hat. Merke: All zu viel ist ungesund und weniger in der Regel mehr!

Unterstellt man den geschilderten Sachverhalt, dann ist „Fler“, das neue Studioalbum des Berliner Rappers, die Essenz aus einer schier überbordenden Kreativität und dem unbedingten Willen zur Weiterentwicklung bei gleichzeitiger Rückbesinnung auf die eigenen Ursprünge, die durch das letztjährige Back-To-The-Roots-Projekt „Südberlin Maskulin“ zusammen mit Godsilla ausgelöst wurde. Soweit der Anspruch. Doch was auf dem Papier noch arg theoretisch klingt, bedeutet in Albumform eine Mischung aus klassischem Old-School-Hauptstadt-Gangsta-Rap („Meine Straße“, „Macht & Ruhm“, „Scheiß auf dich“, „Was ist Peace??!?!“) und eingängigen Quasi-Popsongs wie die zweite Singleauskopplung „Ich sing nicht mehr für dich“ (feat. Doreen und Ex-No Angel Vanessa Petruo als Co-Songwriterin), „Ich werde nie vergessen“ (feat. Beatzarre) sowie (mit leichten Abstrichen) „Ewigkeit“ als Zugeständnis an den Kommerz.

Aber keine Angst! Das Crossover-Potenzial hält sich vergleichsweise in Grenzen. Fler gibt seinen Fans was sie wollen – und zwar Beats, die in der Regel auf gutem Niveau, wenn auch nicht gerade neu sind. Flers Rap-Flow ähnelt dabei wie gewohnt dem von Ex-Buddie Bushido und auch in den Texten ergeben sich zwischen den beiden Rappern ungeahnte Parallelen. So ist „Fler“ immer dann am interessantesten, wenn der Rapper aus seinem Leben erzählt („Mein Haus“, „Ich werde nie vergessen“) bzw. das eigene Dasein reflektiert („Gangster Rapper“, „Schulsong“, „Sag warum?“). Dabei kann Fler die üblichen Straßenkämpferplattitüden zwar nicht vermeiden, aber wenn seine Realität so ist, soll es eben so sein.

Mit „Fler“ legt der 26jährige Berliner ein grundsolides Soloalbum vor – nicht mehr und nicht weniger. Das ist in diesen Zeiten fast schon als Kompliment zu werten, wobei Fler damit wohl kaum dicke Kohle machen wird, da sich die Kids den Shit lieber für lau aus dem Internet saugen. Einzig die Single „Ich sing nicht mehr für dich“ könnte für etwas Aufmerksamkeit sorgen, da dieser Song das größte Crossover-Potenzial des Albums hat und eine gute Rolle auf MTVIVA spielen könnte.

Anspieltipps:

  • Usw.
  • Ewigkeit
  • Macht und Ruhm
  • Ich werde nie vergessen
  • Ich sing nicht mehr für dich

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