Delain - April Rain - Cover
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Delain April Rain


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Delain klingen jetzt wie jede andere der unzähligen Symphonic-Metal-Bands.

Wer im Symphonic/Gothic Metal erfolgreich sein will, muss heutzutage schon einige gute Gründe vorlegen um nicht schon mit dem Erstlingswerk Schiffbruch zu erleiden. Vor allem die dominante Vorherrschaft von Nightwish und Within Temptation macht es Newcomern schwer im Genre Fuß zu fassen und dem übermächtigen Status dieser Bands mit eigenem musikalischen Output eine ernsthafte Konkurrenz zu sein, da sie meistens schnell als Nachahmer abgestempelt werden, die auch etwas vom lukrativen Kuchen abbekommen wollen, der seit über einem Jahrzehnt für einen hohen Absatz sorgt. Was viele Frischlinge bei ihrem ehrenhaften Vorhaben oft vergessen, ist, dass nicht nur eine markante und ausdrucksstarke weibliche Stimme im Vordergrund die Brötchen bäckt, sondern das Songwriting einen nicht unmaßgeblich hohen Anteil zum Gelingen beiträgt bzw. beitragen muss. So entern zwar massenhaft ambitionierte Gruppen das Musikgeschäft, die hinter dem Mikro eine Operndiva stehen haben, aber kompositorisch keinen vernünftigen Song zustande bringen, was natürlich äußerst kontraproduktiv ist.

Als positives Beispiel könnte das niederländische Doppelgespann After Forever und Delain genannt werden, obwohl erstere schon seit bald 15 Jahren ihren einzigartigen Beitrag zum Thema Symphonic Metal (das letzte Album „After forever“ erschien im April 2007) leisten und letztere gerade einmal mit dem Debüt „Lucidity“ (09/2007) einen mehr als würdigen Einstand lieferten. Doch gerade die Truppe rund um den ehemaligen Within Temptation-Keyboarder Martijn Westerholt beeindruckte durch ein breites Spektrum an vielschichtigen Stücken, die nicht nur dem Bombast frönten, sondern auch mit härteren Tönen eine starke Bindung zum Hörer aufbauten, was neben der bezaubernden Stimme von Charlotte Wessels ebenso den vielen Gastauftritten z.B. von Sharon den Adel (Within Temptation) und Liv Kristine (Leaves Eyes) wie den eingestreuten Growls von George Oosthoek (Ex-Orphanage) und Marco Hietala (Nightwish/Tarot) verschuldet war und eine gelungene Symbiose aus männlicher Rauheit und weiblicher Sinnlichkeit entstehen ließ.

Damit ist auf „April rain“ aber vorerst einmal Schluss. Mit Ausnahme einiger kurz angebundener Einlagen beschränkt sich die zweite Veröffentlichung der Holländer nämlich ausschließlich auf Charlotte Wessels, was gleichzeitig Fluch und Segen ist. Einerseits klingen Delain den Fakten nach jetzt nämlich wieder wie eine der unzähligen Symphonic-Metal-Bands, die es einfach nicht besser wissen, doch andererseits liegen für Fans der hübschen Sängerin nun elf ambitionierte Genre-Beiträge vor, in denen sie mit ihrem gesamten stimmlichen Umfang glänzen darf. „Damals war es extrem aufwändig, alle Beteiligten unter einen Hut zu bringen. Eine echte Puzzlearbeit. Heute sind wir ein perfekt aufeinander eingespieltes Team. Unsere Aufgabe war es, unter Beweis zu stellen, dass wir eine richtige Band sind, die auf große Namen verzichten und für sich selbst stehen kann!“ erklärt Westerholt und eigentlich möchte man ihm nicht widersprechen.

Wer allerdings gerade die unterschiedlich eingefärbten weiblichen Gesangseinlagen, gewürzt mit kräftigen Growls, an Delain schätzte, wird von „April rain“ anfangs ein wenig enttäuscht sein, denn lediglich der prachtvoll in Szene gesetzte Dreier „Control the storm“, „On the other side“ und „Virtue and vice“ bietet mit männlicher Unterstützung (in „Control the storm“, „Virtue and vice“ und als Albumender noch einmal bei „Nothing left“) und der Cellistin Maria Ahn (nur in „On the other side“) am ehesten Anknüpfungspunkte an das Debüt. Natürlich bedeutet das nicht, dass das restliche Material keine starken Momente hat, aber abgesehen vom leicht folkloristischen Touch in „Start swimming“ verrichten die Niederländer meist nur Dienst nach Vorschrift und liefern solide, aber eben auch recht spannungsarme Genre-Kost ab. Delain deswegen gleich komplett abzuschreiben, wäre natürlich kompletter Unfug, aber das größte Ass im Ärmel gleich mit dem Nachfolgealbum in diesem Ausmaß über Bord zu werfen, ist doch etwas bitter.

Anspieltipps:

  • April Rain
  • Start Swimming
  • Virtue And Vice
  • Control The Storm

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