Damn Seagulls - Hunting Season - Cover
Große Ansicht

Damn Seagulls Hunting Season


  • Label: Fullsteam Records
  • Laufzeit: 38 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wieder landet eine Band aus dem hohen Norden auf dem Tisch. Im Gegensatz zu der schier unüberblickbaren Zahl an Bands aus Schweden, die maßgeblich vom Erfolg von Mando Diao & Co. ihre Daseinsberechtigung im Rock´n´Roll-Zirkus erfahren, ist es dieses Mal allerdings eine Truppe aus Finnland, die das Abspielgerät in Beschlag nimmt. Damn Seagulls heißt der Sechser, der derzeit bestehend aus Jami Auvinen (Gesang, Gitarre), Lauri Eloranta (Gitarre), Jani Liuhanen (Orgel), Niko Kangas (Saxophon, Keyboard), Olli Noroviita (Bass) und Kolli Krogerus (Schlagzeug) mit einer recht eigenwilligen Mischung im Langzeitgedächtnis haften bleiben und den guten Eindruck des Vorgängers „Soul politics“ (01/2008) bestätigen will.

Bereits die Erwähnung von Orgel, Saxophon und Keyboard deutet auf eine sehr melodiös ausgerichtete Band hin und in der Tat sind diese Instrumente definitiv das hervorstechendste Markenzeichen bzw. der eigenwilligste Farbtupfer im Klangkosmos der Finnen, auch wenn die Opulenz vergangener Tage (Chöre, Streicher) weitgehend abgelegt wurde. Mit Pop- und Rock-Zitaten quer durch die Musikgeschichte, die mal recht originell mal ziemlich bieder vorgetragen werden, ist der dritte Longplayer „Hunting season“ nämlich alles andere als ein Quell an zeitgenössischem Ideenreichtum geworden, sondern vielmehr das Produkt von sechs Menschen, die es verstehen unterschiedliche Einflüsse auf ein Album zu packen und diese Mixtur ansatzweise frisch und ungezwungen klingen zu lassen.

Nach der zurückhaltenden Einleitung „Lord of the flies“ legen die Damn Seagulls mit flotten Bläserarrangements und beschwingtem Rhythmus gleich eine flotte Sohle aufs Parkett und erinnern ein wenig an Folk/Rock der Marke Beirut oder Devotchka, allerdings ohne melodramatische Floskeln oder überschäumenden Pathos. Die erste Devise lautet schlicht und ergreifend Spaß und die wird zumindest ansatzweise erfüllt, denn wenn sich die Herrschaften mit „The city takes care of it“ in die unbekümmerte Poplandschaft der 90er Jahre stürzen oder dem Caesars-Ripoff „Mad Max“ frönen, wünscht man sich insgeheim etwas mehr Folk bzw. knackigen Rock („New breed“) und weniger konventionelle Indie-Musik, die nirgendwo anecken möchte. Noch dazu hat Sänger Jami nicht gerade das ausdrucksstärkste Organ, was einen ruhigeren Song wie „Gone by the dawn“ schnell langweilig werden lässt. Eine grandiose Offenbarung ist „Hunting season“ daher nicht, kurzweilige Unterhaltung wird einem aber trotzdem geboten.

Anspieltipps:

  • Libertine
  • Novus Ordo Mundi
  • The City Takes Care Of It

Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
Diskutiere über „Damn Seagulls“
comments powered by Disqus