PJ Harvey - A Woman A Man Walked By - Cover
Große Ansicht

PJ Harvey A Woman A Man Walked By


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 33 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Polly Jean Harveys psychologisch dichtes, artikulativ beängstigendes Werk wird sich so schnell nicht mehr beruhigen. Ähnlich wie der grandiose Tom Waits, zeigt auch ihre Tendenz stetig in Richtung verquer, verkopfte Unerreichbarkeiten.

Erstmals seit 1996 nimmt sie für die künstlerische Umsetzung ihrer wahnsinnigen Welt wieder die instrumentale Hilfestellung von John Parrish an, mit dem seinerzeit „Dance Hall At Louse Point“ entstand. Dabei wird der fast schon beschauliche Indie-Rock der frühen Tage keinesfalls wiederaufgegossen. Der bedrängende, kammermusikalische Bruch mit ihrem Frühwerk auf dem letzten Album „White Chalk“ hat unwiderrufliche Folgen. So poltert „A Woman A Man Walked By“ mit Ausnahme des Openers mit Banjo, Zither, Mellotron und Klavier fern von Eingängigkeiten in eine befremdlich schwer fassbare Welt.

„Black Hearted Love“ stellt fast schon eine Falle, mit seiner Singletauglichkeit und dem angenehm melodiösen Arrangement, doch lassen die Lyrics erkennen auf welche Reise wir uns begeben „When you call out my name in rapture / I volunteer my soul for murder“. „Sixteen, Fifteen, Fourteen“ hat “White Chalk” im Blut mit Banjobegleitung und verzweifelt geschnauzten „Erika, Erika is watching / Daniel, Daniel is hiding“. Verstört? Dann birgt „Leaving California“ die Überdosis: zu hart angeschlagene Klaviertöne, zu weicher Gesang, untersetzt mit verschrobener Akustikgitarre, die nicht weiß ob sie Melodie oder Fragment sein will – verquer, verquer, verquer.

Einzig beständig sind die Brüche innerhalb der Songs und ihrer musikalischen Struktur, „The Chair“ weiß ein Lied davon zu singen. „April“ versucht es zaghaft mit tragbarer Melodiösität im Refrain, nicht ohne zuvor in den Strophen im Coco-Rosie-Stil zu irritieren. „The Soldiers“ tupft wieder mit Banjo von einer schöneren Welt, bevor „Pig Will Not“ den schizophrenen Höhepunkt des Albums los lässt. Der instrumentale Sound einer an Captain Beefheart erinnernden, krachigen Begleitband wird einfach in den Hintergrund gemischt und gegen ein mid-tempo Klaviergeklimper eingetauscht, zuvor strippt Harvey die untiefen ihrer Seele frei mit verstörendem Gebelle, nicht unähnlich dieser kleinen Terrier-Exemplare, mittels des auf Endloseschleife gelegten Slogans „I will not – wuff, wuff“.

„A Woman A Man Walked By“ ist schwere Kost. Kein einfaches, beständig schönes Album, das in irgendeiner Form auf Heavy Rotation laufen wird. Und doch unheimlich stark und faszinierend seltsam. Polly Jean Harvey eben.

Anspieltipps:

  • Intro (Every Time)
  • Back From Exile
  • Brandy Of The Damned
  • This Is The End

Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
6.5/10

Niente
  • 2017    
Diskutiere über „PJ Harvey“
comments powered by Disqus