Obscura - Cosmogenesis - Cover
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Obscura Cosmogenesis


  • Label: Relapse/Rough Trade
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Konsensalbum im extremen Metalbereich? Kann nicht sein! Wer es nicht glauben mag, sollte mal auf der MySpace-Seite der Herrschaften von Obscura vorbeischauen und sich die Bewertungen ihres Zweitwerkes „Cosmogenesis“ ansehen. Die schlechteste Bewertung stellt gerade einmal der deutsche Metal Hammer mit 5 von 7 Punkten, der Rest einigt sich auf 80% aufwärts bzw. schrammt knapp an der Höchstwertung vorbei oder gibt sie. Neugierig geworden? Als Liebhaber von metallischer Perfektionsarbeit sollte dem Vierer aus Deutschland (ja, Deutschland; nicht Schweden, Norwegen, Amerika oder von sonst wo) ohne mit der Wimper zu zucken eine Chance gegeben werden, denn was hier nach übel stinkendem Hype auf dem Edelkrach-Label Relapse unterschreiben durfte, ist das Todesblei-Pendant von Dream Theater & Konsorten und mindestens genauso genial.

Gegründet von Steffen Kummerer (Gesang, Gitarre) und Jonas Baumgartl (Schlagzeug) vor sieben Jahren, setzte Obscura mit dem 2004er Debüt „Retribution“ eine erste Duftmarke, doch erst als Christian Münzner (Gitarre) und Hannes Grossmann (Schlagzeug) der technischen Todesblei-Bolzer Necrophagist und Jeroen Paul Thesseling (Bass) von Pestilence Ende 2007 ihren Einstieg bekundet hatten, ging es erst richtig los. Mit einer derartig schlagkräftigen und versierten Truppe in der Hinterhand stiegen nicht nur das Interesse, sondern auch die Erwartungen in ungeahnte Dimensionen. Beirren ließ sich Frontmann Kummerer davon sichtlich kaum, denn schon die ersten Hörproben ließen keinen Zweifel an der mächtigen Abrissbirne, die „Cosmogenesis“ werden würde und das nun vorliegende Plastik untermauert diesen Eindruck stichhaltig.

Angefangen von schwer nachvollziehbaren, progressiven Spielereien mit einigen Grind-Attacken („Anticosmic overload“, „Choir of spirits“) über derbes („Universe momentum“, „Desolate spheres“, „Cosmogenesis“) und mit Blastbeat-Attacken verfeinertes Todesblei („Incarnated“, „Infinite rotation“), bis hin zu gedrosseltem, fast schon an herkömmliche Songstrukturen angelehntes Material („Noosphere“) kredenzen Obscura eine facettenreiche Abreibung auf dem Death Metal-Sektor, die nie um eine hakenschlagende Abzweigung oder urplötzlich hervorpreschende Soli verlegen ist. Besonders hervorzuheben sind die beiden Stücke „Orbital elements“ und „Centric flow“, von denen ersteres komplett instrumental ist und beim zweiten etwa ab der Hälfte Gitarre, Bass und Schlagzeug freie Fahrt gelassen wird, was allerdings nicht in stupides Geballer ausartet, sondern in wohldurchdachte Metal-Sphären ausbricht, die eher klassischer Natur sind, aber gerade deswegen einen wunderbaren Kontrast zur restlichen verbrannten Erde bilden.

Dadurch ist „Cosmogenesis“ nicht nur angenehm anders wie viele Veröffentlichungen auf diesem Sektor, sondern nimmt sich außerdem in keiner Minute zu ernst, was z.B. bei einer Band wie Psycroptic schmerzlich vermisst wurde, die mit ihrem letztjährigen Todesbolzen „(Ob)Servant“ (09/2008) auf Teufel komm raus eine besonders verfrickelte und harte Vorstellung abliefern wollten. Lediglich die „spacigen“ Vocals (wie z.B. in „Noosphere“), die wohl eine Parallele zu Cynic schlagen sollen und hin und wieder statt den markigen Growls von Kummerer ertönen, sind verzichtbar, da sie eher störend wirken. Alles in allem geben Obscura aber eine wohl austarierte Vorstellung ab, die aufgrund des detailverliebten Songwritings eine lange Zeit im CD-Player beanspruchen wird.

Anspieltipps:

  • Incarnated
  • Centric Flow
  • Choir Of Spirits
  • Orbital Elements

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