Pig Destroyer - Natasha - Cover
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Pig Destroyer Natasha


  • Label: Relapse/Rough Trade
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Immer diese Plattenfirmen! Da wird seit Jahren über schlechte Verkäufe gejammert und einer der letzten Käuferschicht, die lieber eine CD mit Booklet und dem ganzen Drumherum im Schrank stehen haben will und noch dazu aus berufstechnischen Gründen einen großen Teil des herkömmlichen Radiohörers möglicherweise auf Themen stoßen lässt, auf die er von selbst nicht gekommen wäre, wird es immens erschwert noch Interesse am Musikbusiness zu empfinden: Dem Kritiker. Split-Promos, lausige Mp3-Downloads, Voice-Overs, Snippets und mit Störtönen versehenes Rezensionsmaterial landet im (E-Mail-)Postfach und soll bewertet werden, doch einen durchgehenden Track als Grundlage für eine ernst zu nehmende Bewertung auszusenden, ist was Neues.

So geschehen mit „Natasha“, dem anscheinend fünften Werk von der Grindcore-Schlachtbank Pig Destroyer, deren letzte Alben gerade mal so eine Laufzeit von einer halben Stunde aufzuweisen hatten. Die vorliegende Scheibe entpuppt sich als 38 Minuten lang und beginnt äußerst untypisch mit Vogelgezwitscher und langsam in die Gänge kommender, sich immer weiter ausdehnender Klangkulisse. Etwas lauter wird es ab Minute 4 und die erste Gitarre darf 60 Sekunden später einsetzen. Tja, manchmal kommt es wohl anders als man denkt und plötzlich bricht ein absolut ernst gemeinter, musikalischer Psychotrip in Sludgecore/Doom Metal-Sphären über einen herein und die 38 Minuten sollen gar keine Teilung erfahren, da sie einen einzigen Longtrack darstellen.

Nach kurzem Blick auf den Infozettel wird klar, dass es sich bei „Natasha“ um eine Beigabe zum 2004er Werk „Terrifyer“ handelt, das auf einer separaten DVD beigelegt wurde und für die Band wohl abseits des Stilbruchs eine intensive Erfahrung war, die einer eigenständigen Veröffentlichung würdig ist. In der Tat könnte nach dem ersten Durchlauf von „Natasha“ die These aufgestellt werden, Pig Destroyer wären ein paar Filmfreaks, die ihre Leidenschaft mit Musik verbinden wollten um ein einzigartiges, wenn stellenweise sehr verstörendes Tondokument zu schaffen. Viele Passagen des Longtracks kommen nämlich nur mit Spoken Word-Einlagen, Hintergrundgeräuschen, sowie spärlicher oder gar keiner Instrumentierung aus, die allerdings mit etwas Phantasie einen nervenzerrenden Thriller oder Horrorfilm vor das innere Auge projizieren lassen.

Stellenweise nehmen sich die vier Amis jedoch etwas zu viel Zeit und opfern die sorgsam aufgebaute Atmosphäre der Monotonie. Früher oder später wird aber immer das Ruder herum gerissen und lautstarke Gefilde angesteuert, die wie bei Minute 10:30 zu einem ersten Aufschrei und einer astreinen Sludgecore vs. Doom-Breitseite führen. Wie bei einem guten Film soll aber hier nicht allzu viel verraten werden, auch wenn ein Höhepunkt im klassischen Sinne fehlt. Für Freunde des Kopfkinos und experimentell veranlagte Musikliebhaber ist das Exzerpt „Natasha“ jedenfalls ein Muss.

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