Kam:As - Neverstate - Cover
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Kam:As Neverstate


  • Label: Sinnbus/ALIVE
  • Laufzeit: 90 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Berliner Label Sinnbus Records ist inzwischen bekannt für seine musikalischen Rohdiamanten. Es beheimatet Bands und Künstler, die fernab vom gemainstreamten Lala-Gedudel die Lanze für all diejenigen brechen, die auch ohne CD-Tipps diverser Privatsender, die neuste Hitempfehlung auf Radiosender „Schiess-mich-tot“ oder die gehypten und perfekt gestylten „hottest acts on earth“ ein erfülltes und Musik geschwängertes Leben erfahren können.

Und das der hauptstädtische Musikverlag nicht ausschließlich Freunden elektronischer Independent-Mukke wärmstens ans Ohr zu legen ist belegt das als „sr032“ etikettierte Werk des Noisrock-Math-Quartetts „Kam:as“. Nach ihrem hoch gelobten Brocken „Bric-A-Brac“ und der daran anschließenden Folk-Expedition „Panic Among Whales“ im Jahre 2007 hauen sie mit ihrer neusten Errungenschaft „Neverstate“ erneut einen schwer-verdaulichen Klotz vom Beil. Dabei sind auf CD Numero Uno auch einige Songs vorhanden, die aufgrund ihrer progrockigen Melodien und straighten Gesangparts schon auch mal beim ersten Hören hängenbleiben können. So wie der fast sieben Minuten andauernde Opener „Stratosphone“. Der zwar zunächst sehr verfrickelt instrumentiert, sich bei jedem weiteren Hördurchlauf fester ans Trommelfell klebt oder auch das für „Kam:as“ Verhältnisse nahezu melodiöse, dennoch stets keifende und widerspenstig rockende „The Grand Control“.

Tobias Siebert (u.a. Kettcar, Philipp Boa) jagte die größtenteils live eingespielten Tracks der nunmehr vierten „Kam:as“ Scheibe durchs Mischpult und die daraus resultierende kanalisierte Energie ist Lieder übergreifend hörbar zu spüren. Da verweben sich Sprechgesang, labyrinthische Gitarrenriffs und vogelfreie Melodiestrukturen auf „Fallout Kiss“ zu einem brodelnden Etwas und auch der Semi-Schreier-Hauer „Dumbo Queen“ kracht und knallt bis der HNO-Arzt zweimal klingelt. So richtig in die Vollen gehen die vier dann aber auf Disc Zwei. Hier werden alle bis dato geregelten Grenzen einer A-Seite inbrünstig eingerissen neuerrichtet und kunterbunt umdefiniert. „One Hour Hotel (Part 2)“ ist ein sperriger, psychedelischer, improvisierter (oder etwa doch nicht?), dunkler und mit „überschaubaren“ 40 Minuten durchaus langatmiger Bastard von einem Stück Musik, den man zuerst hassen, dann lieben, danach vergöttern und später vielleicht doch wieder verfluchen wird- eventuell auch in anderer Reihenfolge.

„Neverstate“ ist mühsame Arbeit. Vielleicht wird man Stunden, Tage oder Wochen investieren müssen, um sich in dieses akustische Schwergewicht hineinzuhören. Diejenigen, die diese Geduld nicht aufbringen können/möchten werden sich daran die Ohren ausbeißen und das Kapitel „Kam:as“ zu den Akten legen. Aber ist man erfolgreich, wird man vor dieser Band noch lange seinen schweißgetränkten Hut zu ziehen. Merke: Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert!

Anspieltipps:

  • Stratosphone
  • The Grand Control
  • This Is The Beginning Of A Beautiful Ending
  • One Hour Hotel (Part 2)

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