Yeah Yeah Yeahs - It´s Blitz - Cover
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Yeah Yeah Yeahs It´s Blitz


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das ambitionierteste, reflektierteste, epischste Werk ihrer Karriere legen die Yeah Yeah Yeahs mit „It’s Blitz“ vor. Unverständnis und Abkehr in teilen ihrer Anhängerschaft mit inbegriffen, bedarf die Erfassung ihrer neuen Ästhetik doch einiger unvoreiliger Hördurchgänge.

Popiger, waviger, das nervige, schubladenhafte Prädikat Art- oder Disco-Punks an allen stellen kaschierend und versteckend kommen sie daher - ein Verlust scheinbar. Nick Zinners stichhaltige Gitarren-Riffs sind über dieses Vorhaben oberflächlich weit in den Hintergrund gerückt, voran steht ein Vintage-Synthezizer der waved, waved, waved. Des Fans Schnellurteil: Gerockt haben sie auf „Fever To Tell“ mehr, balladesker und hymnenhafter suggeriert sich vielen „Show Your Bones“, mit dieser jetzigen wabernden, sphärischen Epik – wer will dazu Tanzen?

Dabei ist die Stoßrichtung von „It’s Blitz“ ähnlich zu „Show Your Bones“, Karen Os Weisheiten melancholisch und den Kopf in die Hände legend, ihre (Tanz-)Kommandos wohl pointiert, temperiert, durchdacht und nicht ohne Zynismus, wie im starken „Heads Will Roll“. Allen Kopfschüttlern sei entgegnet: jetzt, hier sind sie wirklich Disco und zwar mit kräftiger Reminiszenz an die ursprüngliche, warum war dieses ihnen anhaftende Signum nur cool, solange es ein halbes, mit Bindestrich, war? Man mag hier vielleicht eine Angst vor der Konsequenz der sonst so geliebten Genre-Andeutungen im zurückschreckenden Independent-Jünger ausmachen. Der Übergang zu neuen Sounds jedenfalls ist auch hier ein fließender, „Dull Life“ und in Abstrichen auch „Shame And Fortune“ hält die für die Band ausgekauten, aber von den Fans geliebten, bewährten Erfolgsrezepte in die Höhe.

Anschließend hilft nur noch nackt Farbe bekennen: sowohl „Runaway“, als auch „Dragon Queen“ sind unglaubliche Songs, Neuland im Yeah Yeah Yeahs-Universum und der Höhepunkt von „It’s Blitz“. Organische Streicher, anschwellende Orgel-Synthie-Töne, eine sich aufbauende Dramaturgie als wären sie uralte Hasen - „Runaway“ macht schöne angst. „Dragon Queen“ verwebt anschließend fremde Melodieexotik mit catchigem Booty-Shake-Rhythmus derart gekonnt, dass man nur erstaunt den Hut ziehen kann vor diesen neuen Yeah Yeah Yeahs.

TV On The Radios Dave Sitek hat als Produzent ganze Arbeit geleistet: schon wieder kommt ein famoses, nicht einfaches Stück Musik aus dem urbanen Brooklyn. Die Yeah Yeah Yeahs wagen viel, verlieren Verlierbares, gewinnen Überraschendes und weisen sich somit selbst, mit Album Nummer drei und nach allein musikalischen Indikatoren freilich, einen langen, spannenden Weg in die Zukunft.

Anspieltipps:

  • Dragon Queen
  • Runaway
  • Heads Will Roll
  • Dull Life
  • Zero

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