Muff Potter - Gute Aussicht - Cover
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Muff Potter Gute Aussicht


  • Label: Huck´s Plattenkiste
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Gute Aussicht“ ist trotz ein paar wenigen schwächeren Momenten, so etwas von lebendig, kraftvoll, eingängig und konstant gut.

Muff Potter besinnen sich wieder auf ihre musikalischen Wurzeln und klingen so, wie sie sich eigentlich auch früher noch nicht angehört haben. Denn ihre „Gute Aussicht“ vereint den schnellen, ungestümen und anarchistischen Sound vergangener „Bordsteinkantengeschichten“ mit den dieses mal eher verhüllten und teilweise verzerrten melodischen Popansätzen seiner Vorgängeralben.

„Ich Und So“ gibt dann sogleich den Takt der kommenden knapp 40 Minuten vor. Rau, stets standhaft und authentisch beschreit Sänger Nagel die Ode an seine Helden, wie Alfred E. Neumann, Huckleberry Finn, Fräulein Smilla oder Otis Redding und hetzt im Laufe der Spielzeit durch kratzend- keifende Punkfeger wie das herumpolternde „Ich Bin Charmant“ oder die zusammengedrängten zwei Minuten des akustischen Platzregens „Alles War Schön Und Nichts Tat Weh“. Dass es kurzzeitig auch weniger temporeich geht, zeigen die Jungs in souveräner Manier auf dem Weltschmerz-melancholischen „Mein Freund das Wrack“ oder der eingängigen immer-wieder-aufsteh-Nummer „Eiskunstlauf Ohne Ton“. Das siebte Album der Münsteraner ist nach „Heute Wird Gewonnen, Bitte“ aus dem Jahr 2003 erstmals wieder komplett live eingespielt und impft der Platte damit einen zusätzlichen Kick Energie ein und auch Nagels Geschichten treffen seinen rostigen Namensvetter immer wieder punktgenau auf den Kopf.

Auf der Punkerballade „Niemand Will Den Hund Begraben“ sinniert er über die egozentrische Praktika-Gesellschaft von heute. Da sitzen „Rocco und Rico“ an der Bushalte „und spielen Stadt-Land-Flucht“, denn „niemand will mehr Rüben ernten, niemand will mehr Oma besuchen“, stattdessen wollen alle „ein Stück vom Kuchen“. Und die im Vergleich zum Gros dieses Albums zunächst harmlos erklingende erste Singleauskopplung „Blitzkredit Bop“ avanciert durch ihr ironisches Wortspiel zu einem weiteren Höhepunkt. Für alle Börsianer und Banker die sich in der „Dispot Disco“ an der „Hypotheke“ ihren Frust wegballern, spätestens nach der Krise, der wahre Soundtrack ihrer Misere. Und die direkt anschließende Realismus-Hymne auf den Untergang „Die Party Ist Vorbei“ verleiht der zuvor angeschnittenen Thematik, mit seinem live in der großen Freiheit in Hamburg aufgenommenen 1000-hälsigen Publikums-Chor, einen eindrucksvollen Nachhall.

„Gute Aussicht“ ist trotz ein paar wenigen schwächeren Momenten, so etwas von lebendig, kraftvoll, eingängig und konstant gut. „Muff Potter“ lassen dato das wohl abwechslungsreichste und zugleich konsequenteste Album von ihrer Punkrockenden „Angry-Pop“-Leine und beweisen äußerst selbstbewusst, warum sie weiterhin zu den besten deutschen Gitarrenbands gezählt werden müssen.

Anspieltipps:

  • Ich Und So
  • Niemand Will Den Hund Begraben
  • Blitzkredit Bop
  • Die Party Ist Vorbei
  • Eiskunstlauf Ohne Ton

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