Bat For Lashes - Two Suns - Cover
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Bat For Lashes Two Suns


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Natasha Khans Œuvre erscheint fast konventionell im Angesicht der Neuerungen Coco Rosies, Joana Newsoms und anderer, ähnlicher neo-femininer Exotik. Nicht auszudenken, in welche Himmel sie gelobt würde, gäbe es Björk nicht. Aber wir lassen uns nicht einnehmen von den Zeitläuften und schreien nicht nach unsteigerbarer Ausgeflipptheit, sondern ordnen das zweite Album Bat For Lashes’, das nach dem so sagenhaften Debüt immensen Erwartungsdruck unterlag und in die Kategorie des schwierigen Nachfolgewerkes fällt, weitestgehend werkimmanent ein.

Sie hat es gut gemacht. „Two Suns“ ist ein starkes Album, dass sich deutlich konzeptueller suggeriert als „Fur And Gold“. Das Ambiente des Neo-Folk hat sie abgestreift und damit das Erfolgsrezept des Debüts, Zither und Cembalo treffen auf Beat-Strukturierung des 21. Jahrhunderts, bewusst negiert, was zunächst verstört und nicht wenige zu einem enttäuschendem Urteil bewegen wird. Synthetische Orgel- und Keyboardsounds sowie verstärkte Perkussivität dominieren stattdessen zusammen mit Khans wunderschön eindringlicher Stimme die Klangwelt auf „Two Suns“, ein Konzeptalbum das deutlicher, quasi hippiesker, Mystizismus und Traumwelt heraufbeschwört als viele ihr wohl zugetraut hätten. Einen markanten Fremdeinfluss lässt sie überdies zu: die Brooklyner (Virulenz!) Experimentalisten Yeasayer zeichnen sich für Perkussions- und Beat-Arrangements zuständig, nichtsdestotrotz überwiegt der bestimmende Endeinfluss Khans permanent auf dem Album.

Der Genese gebiert sich wesentlich langsamer und zaghafter als der fulminante Aufrüttler „Horse And I“ auf „Fur and Gold“. „Glass“ fungiert als behutsame, schrittweise Einführung in die auf uns zukommende Reise. Massives Schlagwerk kämpft mit zarter Instrumentalisierung, die thematische Welt von zwei Sonnen, zwei in der Brust der Protagonistin schlagenden Seelen, die miteinander sowohl ringen, als auch koexistieren, wird angerissen. Die „Sleep Alone“-Gänsehaut passt anschließend besser in das Konzept vom Erstling und man meint man bekomme vielleicht einen Aufguss, da schwenkt „Moon And Moon“ um, in an Tori Amos erinnernde Schlichtheit – Piano und Stimme und am Ende ganz weit entfernte, zart-verzweifelte Chöre.

„Daniel“ tanzt gelungen mit Popmusik, ist die erste Single aus „Two Suns“ und zeigt repräsentabel den Einschlag der Yeasayer-Kollaboration, während „Siren Song“ tief in die Sphären vorstößt, die im Opener nur angedeutet werden. „Pearl’s Dream“ ist anschließend der heimliche Höhepunkt auf „Two Suns“, ein formidabel düsterer Hit, nicht unähnlich dem magischen „What’s A Girl To Do“, nur ausgefeilter, konzeptueller, zwingender. „Two Planets“ bringt dann den späten, flippigen Trommelkreis-am-Lagerfeuer Zenit dieses polternden und trommelnden Konzeptalbums – beständig unterbrochen von Khans, wie Injektionen wirkenden, intimen Geständnissen am Klavier. Mit Scott Walker wird am Ende gewahr, wie hervorragend sich Khans Konzeptionen in Duette verpacken lassen könnten, doch die knapp drei Minuten stellen sicher: sie scheint nicht geneigt inflationären Gebrauch davon zu machen.

Ganz am Ende darf dann die Milchmädchenrechnung aufgemacht werden: wie viele unglaubliche Songs hatte „Fur And Gold“ zu bieten? „Horse And I“, „Trophy“, „What’s A Girl To Do“, „Sarah“ und vielleicht „Prescilla“. Ihr Zweitwerk hält tapfer dagegen mit „Sleep Alone“, „Daniel“, „Pearl’s Dream“ und „The Big Sleep“. Knapp, aber nur knapp steht die konzeptuelle Reise von „Two Suns“ dem Debüt nach.

Anspieltipps:

  • Pearl’s Dream
  • Daniel
  • Sleep Alone
  • The Big Sleep (feat. Scott Walker)

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