Lady Sovereign - Jigsaw - Cover
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Lady Sovereign Jigsaw


  • Label: Midget Records
  • Laufzeit: 36 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Den ewig rezipierten, antiken Mythos vom zu hoch und blind in die Sonne fliegenden Phönix begreift nun auch die 23-jährige Louise Harman biographisch. Bevor die sturmflutartige M.I.A.-Begeisterung ausbrach, war Lady Sovereign kurzzeitig der heißeste Rap-Scheiß jenseits des überbordenden amerikanischen HipHop-Markts. Vor Jay-Z errappte sie sich in der Bürozentrale seiner Def-Jam-Records im Stegreif ihren Majordeal - Höhepunkt des steilen Aufstiegs der selbsternannten „biggest midget in the game“.

Doch viel mehr Beachtung als die temporären internationalen Erfolge der Singles „Nine2Five“ und „Love Me Or Hate Me“ blieb der 1,55 Meter großen Londonerin nicht beschieden. The next big thing wurde zur heißen Kartoffel, von Def Jam nach einem Album gedropt, medikamentöse, suizidale Sucht das Ergebnis dieser rasanten Achterbahnfahrt.

Mit eigenem, von EMI vertriebenen, Label wagt sie sich nun, nach einigem Abstand, an den Nachfolger von „Public Warning“ und macht natürlich etliches anders. Mit Dizzee Rascals radikalem Grime kann sie sowieso nicht mithalten, zu melodieverliebt und mit zu viel Popgespür ausgestattet kommt sie daher. Also ist ihr Grime-Sound noch stärker andeutungshaft in den Hintergrund verbannt, elektronische Beatbasteleien dafür umso deftiger ins Boot geholt. Selbst wenn es langweiliges, ambivalentes Befolgen einer Mode ist, erscheint es als recht stimmiges Konzept auf „Jigsaw“. Die minimalen Game-Boy-Sounds auf „Let’s Be Mates“, „Bang Bang“ und „I Got You Dancing” funktionieren am besten mit Sovereigns Hochfrequenzraps.

Bei der Reflexion über die ihr geschehenen Übel vergreift sich die 23-Jährige indes derb und damit ist nicht das gewöhnungsbedürftige Sampel von The Cure’s „Close To Me“ auf „So Human“ gemeint. Der leicht säuselnde Titeltrack, das selbstreflektierte „Guitar“ und vor allem der weltverbessernde Ernährungsumstellungsversuch „Food Play“ gehen schlicht ins peinliche. An einer Stelle gesteht sie, „I feel a little tired“; nicht das Betrachtungen des eigenen Seins im Rap uninteressant wären, aber die Art und Weise wie sie es macht ist plakativ, eindimensional und unspannend – Lousie, mit 23 sei dir dieser altkluge Rat noch dringend ans Herz gelegt: bevor man nichts Spannendes zu sagen hat, sagt man lieber gar nichts.

So symbolisiert der letzte Song Sovereigns derzeitigen Schwebezustand. „I Got The Goods“ ist Grime-Pop-Kompromiss der uninteressanteren Sorte, bis, ja bis, nach der Zwei-Minuten-Marke Gehirn, Logiken und Kalkül gänzlich ausgeschaltet werden und tighter Dance-Beat mit treibendsten Ansage-Raps die Kurve schlagen und simple aber fantastische Hormonausschüttung regiert: „I’m the biggest midge in the game / I know you know my name“. Lady Sovereign hat es immer noch drauf, sie sollte sich nur stärker darauf besinnen was sie wirklich kann und verkopfte Daseinsreflektionen anderen überlassen – Radiohead versuchen sich ja auch nicht am Party-Grime.

Anspieltipps:

  • Let’s Be Mates
  • Bang Bang
  • I Got You Dancing
  • Pennies
  • I Got The Goods

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