Eluveitie - Evocation I: The Arcane Dominion - Cover
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Eluveitie Evocation I: The Arcane Dominion


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Für das neue Album „Evocation I: The Arcane Dominion“ wurden alle elektrischen Instrumente gebannt.

Seit der Industrialisierung geht es rasend schnell. Was genau? Alles! Besonders die Technik und die damit verbundene Elektronik. Wenn wir heute in eine x-beliebige Disco gehen, dann empfangen uns die „Chartbreaker” und wummernde 4/4-Walzen, die den elektrischen Sound in unseren Kopf hämmern und uns zum Tanzen animieren sollen. Fast wie ein Trotzreaktion auf Musik, die inzwischen zum Großteil am PC erschaffen werden kann, wird auch der Trend zum Folk wieder größer. Nicht selten sieht man die Anhängerschaften von Folkrockbands auf Festivals herumgeistern. Was heißt geistern? Meist ist bei diesen Gesellen gute Laune garantiert. Die Faszination der alten Welt lebt noch immer in vielen und eine der Wege, an dieser Welt festzuklammern, ist die (so heißt es zumindest) zeitgenössische Musik zu hören.

Als Teil dieser Bewegung ist Eluveitie aus der Schweiz in den letzten Jahren zu einer ganz großen Nummer geworden, die sich durch ihre oft gallischen Texte und die Symbiose aus hartem Rock und der alten Folklore auszeichnen. Seit ihrem letzten Album „Slania“ verspürten sie wohl allerdings den Drang der Fusion aus Alt und Neu mehr entgegenzutreten und „klassischer“ zu wirken. So wurden für das neue Album „Evocation I: The Arcane Dominion“ alle elektrischen Instrumente gebannt, auch wenn der Klang in den Gesangsstücken weiterhin einen modernen Hauch erfährt.

Die Struktur des Albums ist dabei die erste Hürde, die einen vor unkonventionelle Wege stellt. Nach stimmungsvollem, düsterem Sackpfeifen-Intro mit Erzähler kommt „Brictom“ in bester Folkmanier herangeprescht und ist wohl jetzt schon ein garantierter Mitgrölhit für die Anhängerschaft. Das ist genau das, was man sich unter Mittelalterfolk vorstellt (abgesehen von den Drums vielleicht). So kann ein „authentisches“ Album ruhig fortgesetzt werden. Zuerst kommt es wieder zu einem instrumentalen zweiten Intro, dass nicht unbedingt hätte sein müssen, besonders da nach dem kraftvoll und ebenfalls sehr gelungenen Titeltrack schon wieder ein Instrumentalstück erklingt. Allerdings entsteht hier langsam eine Melodie, zu der zwar nicht getanzt werden kann, jedoch immerhin eine neue Stimmung entsteht.

Wie als Entschuldigung folgt gleich das nächste Stück, welches weitgehend ohne Gesang auskommt. Dafür heizt dieses „The Cauldron Of Renascence“ auch ordentlich ein, wenngleich es ein wenig eintönig gegen Ende ist. Die Fans werden es für zwischendurch wohl lieben. Kommen wir also zum kratzigen Bardengesang in „Nata“. Ein wenig anders, als die meisten sich das wohl vorgestellt hätten und am Ende beinahe zu steril, trotz Dudelsack und Kratzestimme. Dann wird es endlich poppig! „Omnos“ ist unumstößlich ein moderner Rocksong, verpackt in ein mittelalterliches Gewand. Das funktioniert, erschafft aber nicht die Spannung eines „Brictom“ oder „The Arcane Dominion“. Danach kommt wieder, wie könnte es anders sein, ein gesangsloses Stück, das zu Ende zwar mit Lyrics aufwartet, diese diesmal aber gar nicht wirklich nötig gehabt hätte. Zu „Carnutian Forest“ kann nämlich gut getanzt werden und die Stimmung bleibt oben auf.

Damit dem Hörer nicht langweilig wird und der Rezensent nicht dauernd nur am Meckern ist, wird in „Dessumiis Luge“ ein neuer Stil eingebracht. Diesen muss man einfach selbst gehört haben. Der Rhythmus (dieses Mal auch kein „übliches“ Schlagzeug) und das atmosphärische Geschrei im Hintergrund, gepaart mit Gesang, der wie eine alte Formel heruntergebetet wird. Sehr gut! Zur Erholung natürlich erstmal wieder rein instrumentale Klänge in „Gobanno“. Langsam hat man sich damit angefreundet. „Voveso In Mori“ gleicht sich wieder dem modernen Stil an und wirkt trotz Qualität ein wenig aus dem Rahmen hängend und im Anschluss, ach jetzt wird es aber langweilig, das dauernd wieder zu sagen. Den Abschluss macht dann die ausführliche, beinah epische Ballade „Ne Regv Na“, die wieder zu den ganz starken Stücken des Albums gehört. Das Outro ist dann natürlich wieder ohne Gesang und so wird man aus einem Album entlassen, in welchem eigentlich alles stimmt, bis auf zwei oder drei Songs, die nicht ins Gefüge passen wollen und eine merkwürdige Struktur in Sachen Instrumentalstücke. Spaß sollten die meisten mit dieser CD trotzdem haben.

Anspieltipps:

  • Ne Regv Na
  • Brictom
  • The Arcane Dominion
  • Dessumiis Luge

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