Malajube - Labyrinthes - Cover
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Malajube Labyrinthes


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie soll ein Text über eine Band geschrieben werden, wenn deren zweites Album den Hörer sprachlos hinterließ und der Eröffnungstrack des Nachfolgers ein ähnliches Szenario heraufbeschwört? Tja, die auf französisch trällernden Kanadier von Malajube machen es einem wirklich nicht leicht und legen nach „Compte complet“ (11/2004) und „Trompe l´oeil“ (05/2007) das langersehnte dritte Werk mit dem verheißungsvollen Titel „Labyrinthes“ vor, das, wie sich jeder vorstellen kann, der eine Komposition von Julien Mineau (Gesang, Gitarre), Mathieu Cournoyer (Bass), Francis Mineau (Schlagzeug) und Thomas Augustin (Keyboard) einmal an sein Ohr gelassen hat, keine leichte Kost ist. Überraschenderweise experimentiert der nun nach dem Ausstieg von Renaud Bastien zu viert agierende Kanada-Export nicht erneut mit unterschiedlichen Stilen, sondern verlagert sein gesamtes Augenmerk auf puren Rock, der progressiven Tendenzen aber keinesfalls abgeneigt ist.

Eine Kostprobe dessen erstreckt sich sogleich im Opener „Ursuline“. Filigranes Klavierspiel leitet die Nummer ein, bis Malajube ganz zaghaft die Instrumente anzupfen bzw. –schlagen und sich erst nach und nach in einen fulminanten Rausch spielen, der etwa ab der Hälfte in die Sphären einer instrumental gehaltenen Prog-Suite von The Mars Volta ufert, als diese noch Alben von Relevanz vorlegten. Schneller können 7 Minuten nicht an einem vorüberziehen! Das leichtfüßige „Porté disparu“ zerschmettert anschließend die Vertracktheit von „Ursuline“ und lässt sich zu schwelgerischen Melodien hinreißen, die immer wieder von einem Stakkato-Beat unterbrochen werden, bis „Luna“ in flauschige Schunkelwolken fällt und ein „Ba da ba da“-Rhythmus die sonst herrlich in Szene gesetzte Idylle etwas trübt. Die nachfolgenden Stücke „Casablanca“ und „333“ unterscheiden sich in der Grundidee zwar nicht besonders, der Ansatz eine scheinbar harmlose Rocknummer nach allen Regeln der Kunst an einer Riffwand oder lautstarken Instrumenteneruption zerschellen zu lassen, löst letzterer mit wesentlich härterem Zugang und verspielteren Details allerdings besser, obwohl das aufbegehrende 60er Jahre Hardrockriff, das sich in „Casablanca“ 25 Sekunden vor Schluss freikämpft ebenfalls nicht zu verachten ist.

Schlicht und ergreifend „Indierock at its finest“ legen die Frankokanadier dann mit „Collemboles“ vor, während das zu kurz geratene „Hérésie“ seine Skizzenhaftigkeit nicht abstreifen kann und in „Dragon de glace“ ein (im positivem Rahmen) an Shania Twain erinnernder Melodiefluss aus den Lautsprechern perlt, der in der Halbzeit abgestreift wird und seine Abreibung in Form von saftigen Rockgitarren bekommt. Melancholisch, verträumt und nachdenklich eröffnet „Tout-puissant“ danach, bricht völlig unerwartet in einen anderen Takt aus, scheppert kurz vor sich hin und bleibt dann am zweiten Thema hängen, bis „Cristobald“ erneut den klassischen Progrock aus dem Schrank holt, allerdings nach fiebriger Performance nicht in den erwarteten (und eigentlich schlüssigen) Soloteil ausbricht, sondern einfach ausklingt. Hier hätten sich die vier Herrschaften ruhig ein wenig aus dem Fenster lehnen können und einen ihrer livehaftigen Solo-Ausritte auf Platte pressen können. Freunde des „frankokanadischen Artmetalprogpoprock“, wie das Label den bunten Malajube-Cocktail auszudrücken versucht, werden jedenfalls nicht enttäuscht, sollten sich aber im Klaren sein, das „Labyrinthes“ durch den Wegfall elektronischer Stilmittel oder ähnlich starker Genreüberschneidungen eine ganz andere Erfahrung bietet als zuletzt „Trompe l´oeil“.

Anspieltipps:

  • 333
  • Ursuline
  • Porté Disparu
  • Dragon de Glace

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