Believer - Gabriel - Cover
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Believer Gabriel


  • Label: Metal Blade/SPV
  • Laufzeit: 61 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ob Believer überhaupt noch jemand nach dem Split 1994 auf der Rechnung hatte, ist gemessen an dem Wirbel, den die zwei Urgesteine der Band Kurt Bachmann (Gesang, Gitarre) und Joey Daub (Schlagzeug) entfacht haben, beinahe nebensächlich. Die zwei progressiven Scheiben „Extraction from mortality“ (1989) und „Sanity obscure“ (1990) machten sie bekannt und die mit symphonischen Elementen gespickte Thrash Metal-Oper „Dimensions“ (1993) wurde zu ihrem Vermächtnis, dessen Wogen selbst ein Vierteljahrhundert später noch nicht vollständig geglättet sind, hat man sich mit Howard Jones von Killswitch Engage schließlich mühelos einen großen Verehrer als Gastsänger an Bord geholt, der für ausreichend Publicity sorgen durfte.

Dumm ist nur, dass sein durchaus hörenswerter Beitrag im Song „The brave“ unnötig von der eigentlichen Qualität des vierten Albums „Gabriel“ ablenkt und sich einige Unkundige Believer wahrscheinlich deswegen als Metalcore-Truppe mit ähnlichem Sound vorstellen. In der Tat sind zwar einige minimal angedeutete Ausläufer des 90er Jahre Hardcore enthalten, der in späterer Folge ein Markenzeichen dieses Genres wurde, aber stilbildend ist dieses klitzekleine Mosaiksteinchen für die Amerikaner keineswegs. Wie schon der über sieben Minuten lange Opener „Medwton“ andeutet, hat der aus Colebrook, Pennsylvania stammende Fünfer, der neben Bachmann und Daub noch durch Kevin Leaman (Gitarre), Jeff King (Keyboard), und Elton Nestler (Bass) besetzt wurde, ein äußerst breites musikalisches Spektrum anzubieten, welches mit ein paar Durchgängen nicht vollends erschlossen werden kann.

Wie es sich also für ein ordentliches Progressive-Metal-Album gehört, muss der Hörer sich die Gunst der Musik erst erarbeiten um auch alle Abzweigungen, Falltüren und technischen Spielchen in ein großes Ganzes einordnen zu können, die den Verantwortlichen dahinter als wichtig und unerlässlich erschienen sind. Stücke wie das fast schon geradlinige „Stoned“ sind Mangelware, obwohl es sich Believer auch hier nicht verkneifen können unter die einschneidenden Thrash-Riffs immer wieder einen völlig konträren Piano-Part zu mischen, dessen Anwesenheit als purer Akt der Selbstverständlichkeit zelebriert wird und die Faszination dieser Band ausmacht. Die „kranke und verrückte Kreuzung zwischen Tool, Voivod, Nine Inch Nails und Destruction“, die Gründungsmitglied Bachmann angekündigt hat, ist, selbst wenn nicht jede Idee aufgeht oder die überlange Sound- und Spoken Word-Collage „Nonsense mediated decay“ ein wenig zu experimentell angelegt ist, auf jeden Fall eine Erfahrung wert.

Anspieltipps:

  • Stoned
  • Medwton
  • The Brave

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