Son Of The Velvet Rat - Animals - Cover
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Son Of The Velvet Rat Animals


  • Label: Monkey/Broken Silence
  • Laufzeit: 62 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Warum Georg Altziebler nach 6 Jahren seit seinem Debüt „By my side“ noch immer nicht beim Saddle Creek-Label wegen einer Zusammenarbeit angefragt hat, ist angesichts der melancholischen Ader, die er mit Son Of The Velvet Rat auslebt, eine durchaus berechtigte Frage. Neben Conor Oberst und seinen Bright Eyes würde sich „Animals“ nämlich durchaus prächtig machen, noch dazu wenn der Grazer mit seinem vierten Album zu alter Stärke findet und sich selbst wieder in den Brennpunkt des Geschehens stellt.

Der dezente Country-Ausflug, welcher auf „Loss & love“ (06/2007) in glänzende Pop-Strukturen gehüllt war und wohl am ehesten wegen der Kollaboration mit Schlagzeuger und Wahl-Produzent Ken Coomer (Wilco, Uncle Tupelo) Einzug in das sonische Erlebnis des Österreichers gefunden hat und zu einem zugänglichen, aber auch abgeschliffenen Eindruck führte, ist jedenfalls beseitigt. Dafür überrascht Altziebler mit anderen Köstlichkeiten, die sich wesentlich organischer in den Kontext einfügen als amerikanische Populärmusik.

Davon ist auf „Sand mountain“ und „Perfect picture still“ allerdings noch nicht viel zu vernehmen, sondern lediglich das erneut in den Vordergrund zurückgekehrte, brüchige Timbre des „Son Of The Velvet Rat“-Masterminds beansprucht mit aufgeladener Wehmut seine Position zurück, was den Auftakt von „Animals“ als Österreichs Antwort auf Lambchop betiteln lässt. Erst die Mariachi-Trompete in „Same monkey (in a different zoo)“, der optimistisch vorgetragene französische Chanson „La vache qui rit“ (frei übersetzt: Die Kuh, die lacht) mit obligatorischem Akkordeon und die seufzende Violine in „Stay around“, welche direkt aus der Frühphase von Apocalyptica entlehnt sein könnte, sorgen dafür, dass es nicht immer das tiefe Vibrato des Grazers sein muss, das eine Gefühlsregung beim Hörer verursacht.

Für all jene, die vom lauten und gut aufgelegten Garagenrock der „Gravity“-EP (09/2008) oder den abgeschliffenen Ecken von „Loss & love“ abgeschreckt waren, liefert Altziebler ebenfalls eine überarbeitete Neufassung der Songs „Do you love me?“ und „Fall with me“ nach. Schwer angeschlagene Klavierakkorde, die eine düstere Stimmung generieren, stehen bei ersterem jetzt den subtilen Hardrock-Gebärden der 2008er Version mit Hammondorgel und süßlichem Frauengesang gegenüber, was den Song mühelos auf eine ganz andere Ebene hievt und letzterer wird in romantische Motive getaucht und statt handlicher drei Minuten auf beinahe sechs gedehnt, was angesichts der etwas kitschigen Instrumentierung eher eine Verschlechterung darstellt.

Wieso der als Bonus draufgepackte „Hotel song no.2“ (ebenso auf der Kurzplatte „Gravity“ zu finden) weiterhin mit harten Gitarrenriffs im Western-Look zu Buche schlagen darf, erschließt sich jedoch nicht so ganz. Nichtsdestotrotz ist nach den gewöhnungsbedürftigen Stilbrüchen allein der Anschluss an die Anfangstage und die teils gelungene Umpolung von Stücken aus der schwächeren Periode ein willkommenes Zeichen. „Animals“ wird jedenfalls keinen Anhänger klassischer Songschreibekunst enttäuschen.

Anspieltipps:

  • Dumb Bird
  • Stay Around
  • Sand Mountain
  • Do You Love Me?

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