Jeniferever - Spring Tides - Cover
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Jeniferever Spring Tides


  • Label: Monotreme Records
  • Laufzeit: 64 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt Bands, die nicht mit aller Macht einen Ohrwurm ins Ohr setzen wollen, der sich eine Jahreszeit nicht mehr entfernen lässt. Diese Bands machen zumeist vertrackte Kunst oder fühlen sich in einer Nische heimisch, in welcher sie ihre spezifischen Fans beglücken. Jeniferever aus dem schwedischen Uppsala gehören ersterer Sorte an, nur stellt sich ihre Kuns als weit weniger vertrackt, als viel mehr sphärisch heraus. Hier wird mit zeitlosen Eindrücken gearbeitet und nicht mit Hooklines und so schwebt man geradezu auf den stringenten Gitarrenwellen und saugt die beruhigende und doch treibende Stimmung auf.

Dass die Band sich für diese Impressionen Zeit lässt, beweist die Albumlänge, die auf über sechs Minuten pro Song schließen lässt. Den Auftakt macht das nachdenkliche „Green Meadow Island“, das auch gleich die große Stärke der Skandinavier deutlich macht: Eine einfache Grundmelodie fängt den Hörer in einer gewissen Stimmung gefangen und diese wird mit allerhand Instrumenten und Klängen verziert. So muss der Hörer immer wieder etwas Neues heraushören und –finden und wird zu guter Letzt von einem fast schon zu psychedelischen Ausbruch eines Gitarrengewitters übermannt, dass wieder abebbt und den Hörer zurücklässt. Nur wo genau ist noch nicht klar. Trotz allgemeiner Verwirrung sorgt der erste Track jedoch schon für Begeisterung.

Das hört sich furchtbar verquert an, ist es aber wirklich nicht. Man muss nur ein Fan von weit ausgebreiteter Musik sein, bei der die Eindrücke im Vordergrund stehen und nicht die Melodie, die den Hörer fesseln soll. Hier werden einfache, fesselnde Bilder gemalt, die in aller Ruhe betrachtet werden wollen. Keine Hektik, die Ideen laufen nicht davon und werden trotzdem nicht langweilig. So besteht natürlich auch die Gefahr, dass sanfte Klangcollagen wie „Concrete And Glass“ einfach mal am Hörer vorbeirauschen oder der Hörer an ihnen. Das ist wohl auch der Grund warum die meisten Lieder, wie das folgende „Ox-Eye“, sich diesen Crescendos mit viel Gitarre und Pathos in der Stimme hingeben, um auf sich aufmerksam zu machen. Vielleicht ist aber auch Abwechslung zwischen Ruhe und Kraft gefragt, denn „St. Gallen“ tänzelnd höchstens leichtfüßig übers Parkett, wenn es überhaupt den Boden berührt.

Es geht natürlich auch Beides auf einmal! Allerdings ist „Nangijala“ zu lang geraten, sodass der ewig gleiche Grundeindruck nicht so vollends überzeugt, wie die vorigen Lieder. Ein schönes Lied ist es aber immer noch. Diese Schweden verstehen ihr Handwerk. Wahrscheinlich ist der riesige Brocken eine Entschuldigung für das folgende „Sparrow Hills“, dass problemlos eine Single sein könnte. Nicht ganz problemlos, versteht sich, denn es verliert sich wieder alles in einer einzigen musikalischen Wandmalerei in allen Regenbogenfarben. Bevor es dann noch einmal duster wird, hebt „Lives Apart“ die Stimmung mit warmen Gitarrenklängen. Das furiose Finale wird mit „The Hourglass“ eröffnet, dass sich zur Hälfte aus seiner melancholischen Langsamkeit erhebt und zu einer richtigen Upbeatnummer wird (immer noch auf Sigur-Ros-Spuren, versteht sich) und auch „Ring Out The Grief“ funktioniert nach diesem Schema. Beide Lieder beweisen aber wieder Jeniferevers Fähigkeit Stimmungen in Klänge zu verwandeln, in Töne, die nicht im Ohr, sondern im Herzen hängen bleiben. So ist das abschließende „Spring Tides“ die perfekte große Schwester des betrübten „Green Meadow Island“. Ach ja, für alle, die es interessiert: Wer genau auf den Gesang der Band achtet und auf die Stimmungen, wenn gerade nicht die Tonkulisse überhand nimmt, erkennen eine klare Parallele zu Death Cab For A Cutie.

Anspieltipps:

  • Ox-Eye
  • The Hourglass
  • Spring Tides

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