Bob Mould - Life & Times - Cover
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Bob Mould Life & Times


  • Label: Anti Records/SPV
  • Laufzeit: 36 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Eindruck ist immer noch solide, nur tut man sich schwer, den vergebenen Chancen nicht nachzuweinen.

Dreißig Jahre Musik sind eine Menge Holz und wenn dann immer noch etwas dazukommt, dann stellt sich die Frage, ob diese Erfahrung noch zu toppen ist. Etwas weniger schmeichelhaft kann man aber auch fragen, ob einem nicht irgendwann die Ideen ausgehen. Bob Mould wird so eine Frage wohl kaum auf sich sitzen lassen, jedoch lässt ein so kurzes Album auf eine gewisse Unstimmigkeit mit sich selbst schließen: „There were a couple of songs that didn’t make the cut…“ Ist das aber ein Grund für einen so alten Hasen mit einem so großen Musikschatz, ein so winziges Album herauszubringen? Naja, solange das Material den Ansprüchen entspricht, soll niemand unglücklich sein. Qualität kommt schließlich vor Quantität.

Dafür beginnt „Life and Times“, Moulds jetzt schon neuntes Soloalbum, jedoch ganz falsch. Ein warmer, sicherer, risikofreier Klang erfüllt den Raum und man wartet vergebens auf die große Explosion oder das erfrischende Quäntchen Anderssein. Wie man dann auf solidem Niveau stagniert, beweist Bob Mould grandios, denn „The Breach“ und „City Lights“ folgen dem vorgegebenen Schema, ohne zu murren. Letzteres ist zwar endlich mal farbenfroher, jedoch verfährt sich das ganze zu sehr in Wiederholung und so entsteht ein Song, der seine Ohrwurmqualitäten fahrlässig verspielt. „MM 17“ ist dann so richtig schön nichts sagend und rockt einfach nur drei Minuten vor sich hin, mit solch einer Dichte, dass die Melodie doch früher oder später hinter dem Krach anstehen muss und zum Abschluss der ersten Halbzeit kommt mit „Argos“ ein Track daher, bei dem sich Mould wohl an seinen Punkwurzeln versuchen wollte. Das ist schön verrückt und zündet auch, doch trotz der kurzen Spieldauer geht der Krach schnell wieder ein wenig auf den Keks.

Der bisherige Eindruck ist immer noch solide, nur tut man sich schwer, den vergebenen Chancen nicht nachzuweinen. „Bad Blood Better“ liefert als Verschnaufpause eine Ballade, auch hier gibt es natürlich einen Krachpart, die großteils zu überzeugen mag, besonders weil nun auch der Gesang etwas variiert. Für „Wasted World“ gilt, dass wir dieses Prinzip des Songaufbaus auf diesem Album schon auswendig kennen und auch „Spiralling Down“ verschenkt Superpassagen mit Dauergitarrensturm. Weniger ist manchmal mehr, Herr Mould. Auch das vorletzte Lied kann mit seinem ewig langen Titel nicht so überzeugen, wie es vielleicht doch könnte, wenn… ja wenn nur… Der Abschluss durch „Lifetime“ wirkt dann dem Album ein wenig entrückt, doch auch hier lassen sich schöne Ansätze finden, aber in der Musik ist es teilweise wie in der Mathematik: Für Ansätze gibt es nun mal nur Teilpunkte. Wenn der Spaß nicht richtig ausformuliert und bearbeitet ist, kann keine allzu gute Note herauskommen.

Anspieltipps:

  • Life And Times
  • Argos
  • Bad Blood Better

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