Agathodaimon - Phoenix - Cover
Große Ansicht

Agathodaimon Phoenix


  • Label: Massacre Records
  • Laufzeit: 73 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mal abgesehen von Uwe Boll selber gibt es wohl kaum jemanden auf dieser Welt, der wirklich stolz darauf sein kann zu einem der abgrundtief schlechten Scherze, die dieser ehrenwerte Herr verzapft hat (meist sind es Videospielverfilmungen wie „Far Cry“ oder „Postal“), etwas beigesteuert zu haben. Bei der Dark Metal-Truppe Agathodaimon dürfte die Sachlage wohl etwas anders liegen, wird schließlich nicht nur im Pressetext (ganze zwei Mal) darauf hingedeutet, dass die sechs Mainzer zum stinklangweiligen Horror-Kasperltheater „Alone in the dark“ einen Song angefertigt haben, nein, dieser ist sogar in zweifacher Ausführung auf dem neuesten Album „Phoenix“ als Bonus enthalten. Abgesehen von dieser etwas abstrusen Begebenheit, hat die fünfte Langrille von Ashtrael (Gesang), Sathonys (Gesang, Gitarre), Jan Jansohn (Gitarre), Till Ottinger (Bass), Felix Walzer (Keyboard) und Manuel Steitz (Schlagzeug) wenig Überraschendes auf Lager, sondern pendelt sich auf solidem Niveau ein, das Fans kaum verschrecken wird, aber ebenso keine hinzugewinnen dürfte.

Schon der Opener „Heliopolis“ offenbart musikalische Stagnation und kracht mit schwarzmetallischen Schreien und klar gesungenen Vocals ordentlich aus den Boxen, dreht sich aber letztendlich nur im Kreis. Deutlich bessere Karten hat das anschließende „Devil´s deal“, wo die Gitarren richtig schön braten dürfen und das Keyboard subtil seine Melodie beisteuert, während „Decline“ vielversprechend beginnt, ein ordentliches Pfund Groove in Text und Musik legt, insgesamt aber doch eher blass bleibt. Kraftvoll, energetisch und ebenso verletzlich präsentiert sich dann „Ground zero“, „Ghost of a soul“ schöpft erneut Kraft aus dem Wechselspiel zwischen Ashtraels Black Metal-Screams und Sathonys feinfühliger Stimme, obwohl die harten musikalischen Attacken im Chorus nicht ganz ins Bild passen wollen und die anfänglich überzeugende Nummer „Winterchild“, die nach leicht kitschigem Beginn mit düsterer Atmosphäre zufriedenstellendere Pfade betritt und rasendes Schwarzmetall im Mittelteil unterbringt, vergeudet durch eine zu gewagte Abzweigung auf der Zielgeraden unnötig Zeit, die man der ohnehin über 60 Minuten langen Platte (von den zwei Bonustracks mal abgesehen) deutlich anmerkt.

Das soll keinesfalls bedeuten, „Phoenix“ wäre nicht abwechslungsreich oder langweilig inszeniert, da im Gegensatz zu der oft balladesken Ausrichtung einiger Nummern, welche wiederum symphonische Unterstützung von PC oder Keyboard erhalten, allein „Throughout the fields of unshaded grace“ als kontrastreiche, reinrassige Black Metal-Nummer ordentlich Dampf macht, aber irgendwie will sich trotzdem kein richtiger Spannungsbogen aufbauen, der bei einem Werk von diesem Ausmaß zwingend notwendig wäre. Schuld daran sind einfach die vielen kleinen Mosaiksteine, die der Sechser in die 12 Songs gepackt hat, die nicht immer wie ein Zahnrad ins nächste greifen, sondern wie beim eben erwähnten „Winterchild“ oder dem deswegen langatmigen Abschluss „Grey whisper“ als störendes Beiwerk für Unruhe sorgen. Natürlich tragen auch uninspirierte Lückenfüller wie „To our ashes“ oder „Amongst the vultures“ dazu bei, die Hauptlast liegt aber eindeutig bei den nicht sinnvoll zu Ende gedachten Kompositionen, weil „Phoenix“ gerade dadurch nicht wie aus einem Guss wirkt, sondern über weite Strecken einer Ansammlung von Songfragmenten ähnelt.

Anspieltipps:

  • Winterchild
  • Devil´s Deal
  • Ground Zero
  • Time Is The Fire
  • Throughout The Fields Of Unshaded Grace

Neue Kritiken im Genre „Heavy Metal“
Diskutiere über „Agathodaimon“
comments powered by Disqus