Wolfchant - Determined Damnation - Cover
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Wolfchant Determined Damnation


  • Label: Massacre Records
  • Laufzeit: 61 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf Authentizität getrimmte Künstlichkeiten sind out, Natürlichkeit ist in. Gemäß diesem Leitsatz und der generell fest im Black Metal verankerten Tugend musikalische Ergüsse im Studio nicht übermäßig nachzubessern oder aufzublasen, legen die bayrischen Wolfchant mit ihrem dritten Opus „Determined damnation“ eine Scheibe vor, die „true as can be“ eine etwas dumpfe, aber durchaus zweckmäßige Produktion abbekommen hat. Seltsam ist daran nur, dass die Herrschaften Lokhi (Gesang), Skaahl (Gitarre), Derrmorh (Gitarre) und Bahznar (Bass) und Norgahd (Schlagzeug) gemeinsam eigentlich gar keine reinrassige Schwarzmetall-Truppe ergeben, sondern vorrangig dem schlachtenbummlerischen Pagan frönen. Das stilmäßig stark um sich schlagende Opus dürfte seinen (für Nicht-Puristen) gewöhnungsbedürftigen Sound also eher aus einer Vorliebe heraus verdient haben, weswegen in diesem Sinne nicht einmal gemeckert werden darf.

Dummerweise können Wolfchant diesen stets hörbaren Makel mit ihrem Material nicht ausreichend kaschieren, wodurch verschluckte Gesangspassagen und schlecht aufeinander abgestimmte Instrumentalparts von der recht vielseitig angelegten Folk meets Black meets Death-Attitüde ablenken und für einen zwiespältigen Eindruck sorgen. Trotzdem ist auch musikalisch nicht alles spannend, was lautstark aus den Boxen donnert, denn einerseits legen die fünf Bayern mit „Until the end“ eine gewagte Nummer vor, die selbst nicht vor billigen Klatschsamples aus dem PC halt macht, welche allerdings wider Erwarten ein trashiges Flair generieren, was die ganze Sache irgendwie interessant macht und auf der anderen Seite reihen sich zahllose Songs mit schwarzem Gekeife und polterndem Pagan aneinander, die mehr solcher wahnwitzigen Ideen nötig gehabt hätten um innerhalb einer Stunde die Spannung abseits der kurzen Folk-Einlagen aufrecht zu erhalten.

Stattdessen versuchen Lokhi & Co. möglichst viele Bausteine übereinander zu schichten, die entweder aus mehrstimmiger Melodieseligkeit oder temporeichem Geknüppel bestehen und zusätzlich Elemente aus benachbarten Genres aufweisen, was angesichts der recht langen Laufzeit jedoch bald ermüdend ist. Auf textlicher Ebene gibt es neben den herkömmlichen Abenteuergeschichten ebenso nicht wirklich Bahnbrechendes zu vermelden bzw. wird mit „Fate of the fighting man“ geradezu ärgerliche 08/15-Lyrik geboten („Now I have to fight to feed my family / Now I have to be strong“). Einzig das Missbrauchsthema in „Kein Engel hört dich flehen“ (neben „Schwerter der Erde“ und „Auf Blut gebaut“ einer von drei auf Deutsch gesungenen Liedern) ist gewagter und ungewohnter Natur, allerdings verlieren die mit harten Klängen ausgestatten Zeilen durch den platten, dem Gerstensaft huldigenden Bierzeltkracher „Never too drunk“ bereits eine Nummer später an Wirkung. Dementsprechend bleibt „Determined damnation“ unterm Strich nichts Halbes und nichts Ganzes, sondern eine ganz nette Pagan-Metal-Scheibe aus deutschen Landen, die viel will, aber nicht so ganz weiß wie ein stimmiger Gesamteindruck zustande kommt.

Anspieltipps:

  • Devour
  • Until The End
  • Kein Engel hört dich flehen

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