Heaven And Hell - The Devil You Know - Cover
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Heaven And Hell The Devil You Know


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

„The world is full of kings and queens / Who blind your eyes and steal your dreams / It´s heaven and hell” – Es ist die Rückkehr einer der mächtigsten Formationen des Heavy Metal: Der Korpus von Black Sabbath (Tony Iommi an der Gitarre, Geezer Butler am Bass und Vinny Appice hinter dem Schlagzeug) und die stimmliche Urgewalt Ronnie James Dio machen wieder gemeinsame Sache und spielen ein neues Album ein. Wie unschwer zu erkennen, wollen sich die Vier vom übermächtigen Schatten von Black Sabbath ein wenig distanzieren und bleiben bei ihrer durch Live-Auftritte geprägten Bezeichnung Heaven And Hell, die auf die gleichnamige Platte von 1980 zurückführt und schon bei der CD/DVD-Veröffentlichung „Live from Radio City Music Hall“ (08/2007) zum Tragen kam, obwohl das stilisierte Dämonen-Logo der Begründer des Doom im Cover-Artwork trotzdem untergebracht wurde und wohl auch Gelegenheitskäufer dazu bringen soll, den Ursprung der Truppe auf Anhieb zu erkennen.

Ob diese etwas unentschlossene Haltung nicht fälschlicherweise zu der Annahme führt, Heaven And Hell „sind“ die wiederauferstandenen Black Sabbath, die seit dem grauenvollen „Forbidden“ (06/1995) keinen neuen Longplayer vorgewiesen haben, wird sich zeigen. Beschränken wir uns daher auf „The devil you know“ und der hoffentlich einstündigen Metal-Offenbarung, die in ihr steckt. Entstanden ist die Idee hinter dem Machwerk durch die Compilation „The Dio years“ (03/2007), wo zusätzlich drei neue Songs als Kaufanreiz geboten wurden und die von neuem entfachte Zusammenarbeit zwischen Dio, Iommi, Butler und Appice („The band had gotten too good to just walk away“) ein komplettes Studioalbum in Aussicht stellte. Der erste Vorgeschmack ließ allerdings etwas auf sich warten, schlug dafür dann umso heftiger zu. „Bible black“ nennt sich das klassische Metal-Feuerwerk, das mit einer Art Mischung aus „Falling of the edge of the world“ und „The sign of the southern cross“ alte Zeiten heraufbeschwört und nahtlos an den heavier klingenden Sound der Dio-Ära Black Sabbaths anknüpft.

Wer jetzt allerdings ähnliche Großtaten für den Rest des Albums erhofft, wird gemessen an den überdimensionalen Erwartungen bitter enttäuscht werden, was unter anderem daran liegt, dass „The devil you know“ nicht sofort zündet und einige Passagen beinhaltet, die gelinde gesagt langweilig oder einfach nur gewöhnungsbedürftig sind. Erster Wermutstropfen ist da schon der Opener „Atom and evil“. Eigentlich eine vorzügliche Doomriff-Walze merkt man dem Song seine 5 Minuten stets an und wieso Heaven And Hell gleich mit der Paradedisziplin der Band beginnen, mit der sie zwangsläufig nicht verglichen werden wollen, ist sowieso fraglich, da sie im direkten Vergleich (wie auch hier) ohnehin meist den Kürzeren ziehen. „Fear“ macht da schon vieles besser und darf sich des ausgezeichneten Songwritings und der unheilvoll agierenden Gitarrenlicks von Iommi wegen zu einem der besten Songs auf der Platte zählen. Was der schwache Refrain von „Double the pain“ dann soll, wird im Gegenzug nicht wirklich klar, hat die Nummer schließlich ein paar bitterböse Bassattacken von Geezer zu bieten, die in diesem Fall eindeutig als sinnlos verheizt gelten dürfen.

Dasselbe Schicksal widerfährt „Rock and roll angel“, glücklicherweise schaffen es Butler, Appice und Iommi mit gemeinsamen Kräften und der nötigen Weitsicht dem Song einen genialen, instrumentalen Mittelteil zu bescheren, der aus ihm zwar kein zweites „Lonely is the word“ macht, aber immerhin als Tendenz nach oben gewertet werden darf. Leider greift Dio mit dem eher durchschnittlichen „The turn of the screw“ in die „Reim dich oder ich fress dich“-Schublade („Maybe it could happen to you / The turn of the screw“) und beweist damit dennoch, dass er mit seinem Alter (er wird dieses Jahr stolze 67 Jahre) ordentlich Druck in der Lunge hat. Als kürzeste und zugleich flotteste Nummer darf sich „Eating the cannibals“ rühmen, das vom Rhythmus leicht an „Tv crimes“ angelehnte Stück ist aber lediglich als ganz nett zu bewerten und wäre zusammen mit „Neverwhere“ auch auf jedem anderen Dio/Sabbath-Album als Füller deklariert worden.

Somit bleiben noch „Follow the tears“ und „Breaking into heaven“, von denen ersterer mit bärenstarkem Doom-Auftakt und Horror-Atmosphäre zu punkten weiß, diesen Joker aber nicht sinnvoll ausspielt und in schlichter Endlosschleife zu Ende geführt wird. Die beste Gesangsleistung liefert Dio dann im Abschlusstrack, der eine wunderbare Black Sabbath-Aura offenbart, die nicht nur einige der textlichen Trivialitäten auf „The devil you know“ vergessen lässt, sondern ebenso das Unterfangen Heaven And Hell vor der in der zweiten Hälfte aufkeimenden Belanglosigkeit rettet. Alles in allem ist die Reanimation aber als unzufriedenstellend zu werten. Klar, eine Platte mit dem großen Ronnie James Dio und der Rhythmusabteilung von Black Sabbath hebt sich wie von selbst von einer alltäglichen Veröffentlichung im Metal-Sektor ab, aber ist es dann nicht umso enttäuschender, wenn sich die magischen Momente und die alten Gepflogenheiten auf eine Handvoll Ideen aus vergangenen Tagen (z.B. das Fade Out von „Bible black“ oder der unverkennbare Gitarrensound) beschränken? Ohne jetzt gleich den Teufel an die Wand zu malen, ist sowieso entscheidender, was Heaven And Hell mit der neu gewonnen Aufmerksamkeit anstellen und zu welchen musikalischen Schöpfungen diese schwarze Allianz uns in Zukunft führen wird. Hoffen wir in dieser Beziehung das Beste!

Anspieltipps:

  • Fear
  • Bible Black
  • Rock And Roll Angel
  • Breaking Into Heaven

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