Karamel - Maschinen - Cover
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Karamel Maschinen


  • Label: Devil Duck Records
  • Laufzeit: 55 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit wackeliger Stimme und schrägen Akkorden bewegen sich Karamel aus Hamburg durch die Songs ihres dritten Albums „Maschinen“ und erinnern dabei frappierend an die frühen Tocotronic. Hamburger Schule Reloaded, mag einem dabei in den Sinn kommen. Dabei begann das Ganze einst als Singer/Songwriter-Soloprojekt von Johann Scheerer (Gesang, Gitarre), der das Debütalbum „Komm besser ins Haus“ (2005) mehr oder weniger in Eigenregie einspielte. Doch schon für das Nachfolgewerk „Schafft Eisland“ (2007) suchte sich Scheerer musikalische Partner und mittlerweile gilt Karamel mit Sebastian Nagel (Gitarre) und Phillip Kranz (Drums) als feste Gruppe.

Das dritte Studioalbum des Hamburger Trios setzt den auf den vorherigen Longplayern eingeschlagenen Weg nahtlos fort. Und wie schon Xavier Naidoo feststellte: „Dieser Weg wird kein leichter sein!“. Denn Karamel machen keinen seichten Indie-Pop, der auf die Charts schielt. Dabei zeigen die Drei durchaus ein tolles Gespür für Melodien und unter die Haut gehende Klänge. Allerdings verpacken sie dies alles in einer rauen Schale aus gedankenschweren und depressiven Texten, die vornehmlich in Bildern sprechen sowie in disharmonischen Instrumentierungen mit klaustrophobischen Songstrukturen. Doch gerade das macht es spannend, auch wenn Scheerer und Co. hier und da mal übers Ziel hinausschießen wie in „Ein Leben im Kreis“, dass trotz eines mitreißenden Refrains arg schräg um die Ecke kommt.

So macht es auch einen klaren Unterschied, wenn Karamel stimmliche Unterstützung von der Freiburger Sängerin Krakow Loves Adana erhalten („Sorge“, „Ist es nicht mühsam?“) oder Gisbert zu Knyphausen als Gast aufgeführt wird („Ich weiß, dass du traurig bist“, „6/8“). Zwar stellen Karamel auch dann noch keine musikalisch süße Versuchung dar, sind aber dafür einen Tick eingängiger. So oder so heben sich Karamel in der hiesigen Indie-Pop-Landschaft vom 08/15-Durchschnitt ab – und das ist auch gut so. Wer will schon die Platte einer Band kaufen, die klingt will alle anderen?

Anspieltipps:

  • 6/8
  • Desaster 2
  • Lauf noch ein Stück
  • Ein Leben im Kreis
  • Ist es nicht mühsam?

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