Rachael Yamagata - Elephants... Teeth Sinking Into Heart - Cover
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Rachael Yamagata Elephants... Teeth Sinking Into Heart


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 72 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Songs von Rachael Yamagata sind tiefgreifend, sensibel, emotional, von Schwermut geprägt und die berühmte „schwere Kost“.

Rachael Yamagata (31) ist eine amerikanische Singer/Songwriterin mit asiatischen Wurzeln, die vor acht Jahren ihre Solokarriere begann und seitdem drei EPs sowie ein Major-Studioalbum („Happenstance“, 2004) veröffentlicht hat. Nach vier Jahren (in den USA ist das Werk schon seit Oktober 2008 draußen) kommt nun mit „Elephants... Teeth Sinking Into Heart“ endlich Longplayer Nummer zwei in die Verkaufsregale. Schuld an dieser ungewöhnlich langen Wartezeit war natürlich wieder mal der übliche Knatsch mit der Plattenfirma, die Rachael Yamagata inzwischen gewechselt hat.

Wenn man wollte und gut informiert war, konnte man die Sängerin in den vergangenen Jahren immer wieder mal als Gast auf Alben von Kollegen hören, wie z.B. Jason Mraz, Ray LaMontagne, Ryan Adams, Rhett Miller und Bright Eyes. Doch ein Ersatz für ein eigenes Werk war dies freilich nicht. Denn was die 31-Jährige auf dem von John Alagia (Ben Folds Five, Dave Matthews Band, John Mayer, Ben Lee, Mandy Moore, Liz Phair) produzierten „Happenstance“ mehr als andeutete, schrie nach einer Fortsetzung. Rachael Yamagata war nicht als kommender Popstar angetreten (was ihrem alten Label wohl deutlich lieber und bei ihrem Aussehen auch kein Vermarktungsproblem gewesen wäre), sondern als ernstzunehmende Künstlerin, die schubladentechnisch in eine Reihe mit Fiona Apple, Tori Amos und Natalie Merchant gestellt werden muss.

Die Songs von Rachael Yamagata sind tiefgreifend, sensibel, emotional, von Schwermut geprägt und die berühmte „schwere Kost“. Die Arrangements sind trotz häufig vorkommender Streichinstrumente meist sparsam und um Bodenständigkeit bemüht. Alles dreht sich um Rachaels Stimme, ihr Piano und die persönlichen Texte. Da ist es nur vernünftig, dass „Elephants... Teeth Sinking Into Heart“ als Doppelalbum erscheint. Aber nicht, weil die 14 Songs nicht auf einen Silberling gepasst hätten, sondern weil sich die „Elephant“-Stücke doch recht drastisch von den „Teeth Sinking Into Heart“-Tracks unterscheiden.

Der erste Teil des Albums ist geprägt von düsterer Atmosphäre, Depression, Trübsinn und Kummer. Im eröffnenden Titeltrack tröpfelt das Piano einsam und verloren aus den Lautsprechern, Rachael Yamagata flüstert mehr als dass sie singt und sorgt damit schon in den ersten Sekunden für Gänsehaut. Langsam gesellen sich Streicher dazu und das Stück scheint kurzzeitig aufzubrausen. Doch soweit kommt es nicht. Denn ab sofort übernimmt eine bedrückende Melancholie das Ruder mit Songs wie „What if I leave”, „Little life“ und „Sunday afternoon“, die von tiefer Traurigkeit und klagender Schönheit durchzogen sind.

Die Höhepunkte auf „Elephants“ sind das simpel „Duet“ betitelte, ähem, Duett mit dem großartigen Ray LaMontagne (zwei Stimmen, eine Gitarre – sonst nichts. Das genügt für eine an Atmosphäre nicht zu überbietende Liebesballade) sowie das von Mike Blooms (Rilo Kiley, Jenny Lewis, The Elected) herzzerreißendem Dobro-Spiel geprägte „Over and over“. Ganz anders dagegen die Stimmung auf Silberling zwei. „Sideish friend“ prescht stürmisch mit treibenden Beats und singenden E-Gitarren voran und zeigt Rachael Yamagata als kleine Rockerin. Auch „Accident“ und „Faster“ kommen ungewöhnlich drängend, mit einer heiser singenden Rachael Yamagata aus den Boxen und stellen die Gitarren- und Rhythmusarbeit in den Mittelpunkt, während „Pause the tragic ending“ mindestes zwei Gänge runterschaltet, bevor das Album mit der bitteren Liebhaber-Abrechnung „Don’t“ ausklingt („How could they, they wait. I saw the look you gave her. Breathe in again. May god the world do say you hurt. I could say I blame you for everything. Instead I think I'll recognize my part. Needing doesn't hide who I want to be but don’t fuck me in front of me. Yeah! Don’t fuck me in front of me”).

Jeder Künstler ist in aller Regel um Stimmung und Atmosphäre bemüht, aber nur den wenigsten gelingt dies auch mit Nachdruck. Doch wo andere nur heiße Luft verbreiten, legt Rachael Yamagata die Messlatte beängstigend hoch und lässt den Hörer an einem ebenso intimen wie fesselnden Werk teilhaben, für das man sich Zeit nehmen muss – und gefälligst auch sollte!

Anspieltipps:

  • Duet
  • Don’t
  • Sideish friend
  • Over and over
  • What if I leave
  • Sunday afternoon

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