Yaron Herman Trio - Muse - Cover
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Yaron Herman Trio Muse


  • Label: Naive/INDIGO
  • Laufzeit: 57 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Jazz hat im musikalischen Universum des Rezensenten immer eine untergeordnete Rolle gespielt. Es gilt also nicht nur über den Tellerrand hinauszublicken, vielmehr vom fremd gewordenen Tellerchen zu naschen. Was im Falle von „Muse“ des Yaron Herman Trios gar nicht schwer fällt.

Yaron Herman ist ein in Tel Aviv geborener 27-jähriger Künstler. Dabei sah es in seiner Jugend ganz danach aus, dass er eine Karriere als Basketballspieler absolvieren würde. Eine schwere Knieverletzung machte diesen Traum zunichte. So begann er erst als 16-jähriger mit dem Klavierstudium unter dem berühmten Professor Opher Brayer, der unter Einbeziehung von Philosophie, Mathematik und Psychologie eine ziemlich ungewöhnliche Lehrmethode verfolgt. Über den Umweg Boston und wieder zurück nach Tel Aviv findet Herman schließlich in Paris seine Wahlheimat. Mit seinem Talent und seiner Energie löst er Bewunderung und Begeisterung in der Jazz-Szene aus. Als 21-jähriger veröffentlicht er sein erstes Album „Takes 2 To Know 1“ unter Mithilfe des Schlagzeugers Sylvain Ghio. 2005 erscheint sein Zweitwerk, ein Klavier-Soloalbum. 2007 nimmt er „A Time For Everything“ in Trio-Besetzung auf. Seine Tonträger und Konzerte zeichnen sich durch hohe Anteile an Originalität und lyrischen Ansätzen aus. Er ist offen für vieles, selbst vor Pop-Songs wie „Toxic“ von Britney Spears und „Message In A Bottle“ von Police macht Yaron Herman nicht halt.

Auch nicht vor der Klassik, denn auf dem aktuellen „Muse“ kollaboriert das Yaron Herman Trio mit dem Streichquartett Quatuor Ebène. Der wagemutige und vielseitige Israeli tariert also wieder neues Terrain aus. Bereits das Titelstück kombiniert Piano mit Streichern und ist pure Poesie, die sich auf Dizzy Gillespies „Con Alma“ frei fließend fortsetzt. Alle Kompositionen zeichnen sich durch Virtuosität und das technisch versierte Spiel aller Beteiligten aus. Immer wieder verblüffend das Ineinandergreifen der Instrumente, das traumwandlerische Zusammenspiel, das mit Sensibilität und Emotionalität dargeboten wird. Wie sie Melodie und Improvisation auf Björks „Isobel“ ineinanderflechten ist von außerordentlicher Strahlkraft. Matt Brewers Bass rumort durch pechschwarze Nacht oder vibriert im rhythmischen Wiegen, das mit dem verhaltenen bis wirbelnd virtuosen Schlagzeugspiel (Gerald Cleaver) variantenreiche Teppiche aus Rhythmen, Harmonien und Melodien webt. Zumeist setzt Yaron Hermans begnadetes Klavierspiel diese Energien frei. Mit dem inneren Auge sieht man die Finger als Tausendfüßler über die Tastatur fliegen. Mit perlenden Läufen, kristallklaren Effekten und lyrisch ruhigen Passagen verzaubert Herman den Hörer, lässt Teil haben an seinen inneren Welten.

Wie bereits erwähnt ist der Rezensent kein Experte in Sachen Jazz, das Spiel Yaron Hermans jedoch erinnert in seiner Frische, Virtuosität und Innovation sehr an die kreativen Anfangsjahre von Keith Jarrett. Mit Thelonious Monk dürfte sich Herman auch auseinandergesetzt haben. Hiervon und vielem mehr kann man sich im April und Mai 2009 auf seinen Konzerten in der Schweiz, Österreich und Deutschland überzeugen.

Anspieltipps:

  • Muse
  • Lamidbar
  • Isobel
  • Rina Ballé

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